Bei uns auf der großen Wildblumenwiese, sagen sich Hase und Fuchs gute Nacht. Deshalb wundere ich mich schon lange nicht mehr, wenn morgens Hasen, keine fünf Meter hinter der Terrasse, entlang hoppeln und Rehe zum Äsen erscheinen.

Kirschbaum auf der großen Wildblumenwiese

Ende April blühen Kirschbläume und Löwenzahn gleichzeitig auf dem Lindelberg.

Doch je höher das Gras im Sommer wächst, desto wahrscheinlicher, dass der Betrachter nur einen Bruchteil des Geschehens auf der großen Wildblumenwiese überhaupt bemerkt. In trockenen heißen Sommern ähnelt die Wiese der afrikanischen Savanne. Wenn es dann irgendwo raschelt und Gräser sich plötzlich anders als die anderen bewegen, ist vermutlich ein unsichtbarer Wiesenbewohner unterwegs. Ob Löwe, Stubentiger, Hase oder Fuchs bleibt ein Geheimnis – zumindest solange bis der Bauer mit seinem Mäher kommt.

Anfang Juni verbirgt die Wildblumenwiese viele Geheimnisse.

Anfang Juni verbergen sich viele Geheimnisse im hohen Gras.

Falken rütteln für Minuten in der Luft und jagen anschließend mit einem Affenzahn quer durchs Gelände. Nichts ist vor ihnen sicher, noch nicht einmal ich. Bei ihrer Jagd schießen sie gerne mal im Tiefflug ums Hauseck – nur Zentimeter über meinem Kopf hinweg. Sperber sind nicht weniger frech. Einer hat sich im Winter sogar auf meine Gartenbank vor der Haustüre gesetzt, um bequem sein Frühstück am Futtersilo abzufangen und direkt an Ort und Stelle zu zerlegen. Ein Gemetzel, das nur blutige Federn hinterlässt. Natur ist grausam bisweilen.

Nach Sonnenuntergang kommen dann die Fledermäuse aus ihren Schlafplätzen und jagen alles, was ihnen vors Maul geflogen kommt. Faszinierend, ihnen dabei zuzusehen. Igel rangeln lautstark miteinander und ein Iltis, der in der benachbarten Scheune wohnt, schaut ihnen neugierig zu.

In der Wildblumenwiese sind viele Bewohner unsichtbar

Anfangs fand ich das Rufen der Füchse etwas unheimlich, doch inzwischen habe ich mich auch daran gewöhnt. Schließlich beweist das nur, dass bei uns im Dorf die Welt noch so ziemlich in Ordnung ist. Obwohl oder gerade weil rund um Igensdorf das größte zusammenhängende Kirschenanbaugebiet Europas ist und Streuobstwiesen, Kirschgärten, Hopfengärten, Äcker und Wiesen landwirtschaftlich so intensiv genutzt werden.

Mein neuestes Naturerlebnis: Ein prächtiger Fasan stolziert in etwa 50 Metern Entfernung vor dem Kirschgarten des Nachbarn umher. Was für ein schönes Tier! Vermutlich gehört die Wiese schon lange zu seinem Revier, doch solange das Gras hoch gewesen ist, blieb er für meine neugierigen Blicke unsichtbar.

Fiona Amann

Fiona Amann ist Werbetexterin, Bloggerin, Blumenfotografin und gärtnert leidenschaftlich gerne. In ihrem Gartenblog "Wo Blumenbilder wachsen" teilt sie Gartenwissen aus vier Jahrzehnten, stellt Lieblingspflanzen und ihre Pflege vor, verrät die Lieblingsrezepte ihrer Familie und Rezepte aus ihrer Landküche und stellt, wenn sie zum Thema passen, lohnenswerte Gartengeräte, Koch - und Gartenbücher vor.

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