Flieder: Duft und Blütenpracht für jeden Garten.

Gepostet am Mai 11, 2015 in Featured, Pflanzenlieblinge

Blumenbild Edelflieder Charles Joly

Edelflieder Syringa vulg. ‚Charles Joly‘ mit purpur-violetten Blüten

Als meine Oma ihren Konstantin 1930 heiratete, besorgte Peter, Omas zukünftiger Schwager in letzter Minute noch einen imposanten Brautstrauß: Ein ganzer Arm voll lila Flieder. Leider war Peter ein hübscher Filou mit blonden Haaren und schlechten Manieren und so kam es, dass meine Oma mit geklauten Flieder ihr Ja-Wort gab. Der Ehe meiner Großeltern hat dies nicht geschadet doch die Geschichte mit dem geklauten Flieder zur Hochzeit machte noch Jahrzehnte bei allen Familienfeiern die Runde.

Flieder bringt nostalgischen Flair auch in moderne Gärten.

Flieder gehört seit Generationen zur Grundausstattung eines Gartens. In Zeiten immer kleiner werdender Gärten und moderner Architektur mieden ihn zwar manche Gartengestalter in den letzten Jahren, doch gegen diesen überwältigenden Duft kommt kein anderes Gehölz so schnell und einfach an. Seine Farben reichen von Weiß über zartes Bleu und Rosé bis hin zu dunklem Violett, wie die Sorte Syringa vulgaris ‚Andenken an Ludwig Späth‘. Es gibt auch zweifarbige Fliedersorten mit violetten Blüten und weißem Rand sowie üppig gefüllten Flieder. Der Vorteil des Flieders, seine geringen Pflegeansprüche und besonders seine Wüchsigkeit sind gleichzeitig ein gewisser „Makel“. Denn was ein echter Flieder (Syringa vulgaris) ist, will mitunter hoch hinaus. Bis zu sechs Meter kann er erreichen, wenn man ihn lässt.

Blumenbild Australischer Flieder, Fototapete im Wunschformat

Zwergflieder mit großem Duft

Echte Sortenvielfalt kommt aus der Baumschule.

In gut sortierten Baumschulen gibt es neben Edelflieder Syringa vulgaris auch klein bleibende Zwergflieder wie Chinesischen, Japanischen, Koreanischen oder Persischen Flieder oder den sehr intensiv duftenden Herbstflieder (Syringa microphyllas), der etwas später blüht und einen klein bleibenden, etwa ein Meter hohen, kompakten Busch bildet. Herbstflieder blüht im Mai und, sofern man das Verblühte abknipst, Ende September/ Anfang Oktober sogar ein zweites Mal. Der sogenannte Sommerflieder, auch Schmetterlingsstrauch genannt, ist dagegen kein Flieder, sondern eine Buddleja davidii. Dieser hat vergleichsweise lange aber dünne, spitz zulaufende Traubenblüten, die Schmetterlinge wie magisch anziehen.

Flieder braucht kaum Pflege, doch der Zeitpunkt des Schnitts entscheidet über den kommenden Blütenflor.


Flieder liebt einen sonnigen Standort, toleriert jeden normalen Gartenboden, solange keine Staunässe vorhanden ist. Die verträgt er leider nicht. Optisch wichtig ist das Ausknipsen der Samenstände direkt nach der Blüte. Dafür kletterten früher die Jungs aus dem Dorf in die hohen Fliederbüsche und verdienten sich damit ein paar Groschen Taschengeld. Heutzutage gibt es dafür praktische Teleskopscheren.

Der größte Fehler, den man bei Flieder machen kann, ist ihn zu spät zu scheiden. Denn er blüht am vorjährigen Holz und setzt schon im Vorjahr Knospen für die neuen Blüten an. Wer also im Winter oder Vorfrühling meint, seinen Flieder unbedingt schneiden zu müssen, beraubt ihn all seiner Blüten. Flieder gehört botanisch gesehen, wie Liguster und Forsythie zu den Ölbaumgewächsen und ist dementsprechend robust gegenüber Schädlingen und Krankheiten.

Ein Traum von lila Flieder. Kunstdruck, Leinwandbild oder Fototapete im Wunschformat

Ein Traum von lila Flieder. Kunstdruck, Leinwandbild oder Fototapete

Flieder wächst als Busch, aufgeständert und sogar als kleiner Baum.

Ältere Flieder verkahlen mit den Jahren von unten. Das muss kein Fehler sein, sondern ist ein Vorteil, wenn Sie die Fläche darunter mit flach wurzelnden niedrigen Sommerblumen, Bodendeckern oder Frühblühern das ganze Jahr über bunt und attraktiv gestalten wollen. Deswegen lichten manche Gärtner ältere, aus der Form geratene Flieder gerne von unten her so aus, dass oben eine harmonisch und locker gewachsene Baumkrone stehen bleibt. Wer das nicht will, sägt am besten alle zwei, drei Jahre bis zu einem Drittel der älteren Zweige aus dem Flieder etwa 20 cm vom Boden ab. Der Flieder treibt dann von unten her neu aus und verjüngt sich damit regelmäßig von selbst.

Eine Alternative dazu bilden Fliederstämmchen aus der Baumschule. Dort sitzt die ganze Blütenpracht auf einem einzigen stabilen Stamm, der mit den Jahren an Höhe und Breite gewinnt, sofern es sich nicht um eine oben aufgepropfte bzw. veredelte Krone handelt. So ein Fliederstamm ist sehr attraktiv und verdient einen prominenten Platz im Garten.

Kunstdruck mit Flieder. Individuell gerahmt im Echtholzrahmen und mit Passepartout

Betörend auch als Kunstdruck im Echtholzrahmen

Das kleine Flieder 1 x 1

  • Pflanzen Sie das Fliedergehölz in gleicher Höhe, wie er beim Kauf im Container gestanden ist. Steht er zu tief, schlägt die Unterlage aus und verdrängt den aufgepfropften Edelflieder. Zudem stockt das Wachstum bei zu tief gepflanzte Gehölzen.
  • Flieder braucht volle Sonne und einen durchlässigen, am besten humusreichen Boden. Staunässe wird nicht vertragen.
  • Schneiden Sie Flieder immer nur direkt NACH DER BLÜTE. Das Ausbrechen oder Ausschneiden der Fruchtstände ist nicht zwingend, sieht aber optisch einfach besser aus.
  • Düngen Sie im zeitigen Frühling (März/April) ggf. mit Kompost oder etwas organischem Dünger.
  • Flieder sind Flachwurzler. Verwenden Sie beim Entfernen keine Hacke, sondern entfernen Sie störendes Unkraut bei feuchtem Boden vorsichtig mit einem schmalen Wurzelstecher.
  • Flieder ist sehr robust und braucht, sobald er gut eingewachsen ist, nur noch bei langanhaltender Trockenheit zusätzliche Wassergaben.
  • Bevorzugen Sie wurzelechte Gehölze. Der Gemeine Flieder (Syringa vulgaris) neigt dazu, Ableger zu bilden, die beizeiten entfernt werden müssen.

    4 Kommentare

  1. Hallo liebes Blumenbilder Team,

    ich habe euren tollen Text über den Flieder gelesen. Ich liebe Flieder. Wir haben zwei Sträucher im Vorgarten, die auch jedes Jahr duftend blühen. Ich würde mir gerne noch mehr zulegen, die sollten aber in Töpfen unterkommen, da wir eigentlich viel Gras im Garten haben und da keinen pflanzen möchten.
    Gibt es spezielle „Typen“, denen auch ein Topf nichts ausmacht? Den würde ich über den Winter auf dem Dachboden lagern oder reicht einfacher Schutz gegen Frost aus?
    Ich freue mich über eure Tipps.
    Viele Grüße,
    Karin

    • Zwergflieder bzw. Herbstflieder Syringa meyeri ‚Palibin‘ lässt sich meines Wissens auch im Kübel halten und er ist zudem sehr frosthart. Der Frost ist im Winter weitaus weniger gefährlich als die Trockenheit. Ich würde einen so bepflanzten großen Kübel einfach draußen lassen und an frostfreien Tagen ab und zu gießen.

  2. Liebs Blumenbilder-Team,

    ihr habt mir jetzt schon für so manches Problem eine Lösung gezeigt, und auch eure Tipps und Ideen finde ich super.

    Ich habe seit 3 Jahren einen weißen Flieder auf meinem Hang stehen – und er will einfach nicht blühen. Ich kann somit keine alten Blütenstände abschneiden. Sollte ich ihn einfach mal etwas verschneiden?

    Vielen Dank für eure Hilfe!
    Macht weiter so, ihr habt da eine Super-Seite!

    • Abwarten. Ich habe auch so einen weißen Flieder und erst dieses Jahr hat er zum ersten Mal richtig geblüht. Schneiden würde ich ihn nicht. Aber falls er nicht richtig wächst, würde ich versuchen, den Boden zu verbessern mit Humus, Kompost etc. oder Gründüngung drum herum. Ich habe meinem Flieder drei Lupinen an die Seite gestellt. Die verwandeln Stickstoff aus der Luft in Knöllchen an der Wurzel und geben später diesen Dünger auch an den Boden ab. Außerdem wurzeln Lupinen sehr tief und lockern so den Boden auf. Vielleicht fehlt genau das auch Ihrem Flieder?

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