Je kleiner der Garten und je älter ich werde, desto wählerische bin ich mit meinen Pflanzen. Das heißt nicht, dass ich keine Neuheiten mehr ausprobiere, ganz im Gegenteil. Schon weil ich so gerne Blumen fotografiere, pflanze ich jedes Jahr einige neue Blumensorten im Garten an. Und da trennt sich dann schnell die Spreu vom Weizen. Lohnt sich der Einsatz, ja oder nein. Ist die Blume nur ein netter Lückenfüller oder erfüllt sie meine hohen Erwartungen. Steuert sie etwas Besonderes in Blumenbeet bei? Nicht nur die Schönheit der Blüten ist gefragt, auch das Gesamtbild in der neu zusammengestellten Pflanzengesellschaft muss stimmen. Ihre Gesundheit sowieso. Pflanzen, die kümmern, gebe ich gerne eine zweite oder dritte Chance in einem anderen Beet aber spätestens dann müssen sie sich beweisen. Ja, es fällt schwer, eine ausgewachsene Rose auszugraben und an Freunde abzugeben oder im schlimmsten Fall zu entsorgen. Aber der Platz im Garten ist nun mal endlich, Prioritäten helfen, Wichtiges von Ballast zu unterscheiden. Rosenbild nach Wunsch mit Blüte und Knospe der Alten Rose Charles de Mills

Verschenken statt entsorgen: Auch gebrauchte Rosen schenken Freude.

Neulich mussten Tuscany Superb und Charles de Milles weichen. Hätte ich ein großes Grundstück, hätten sie dort gerne in einer gemischten Rosenhecke entlang des Grundstücks bleiben dürfen. So aber kollidierte Charles de Mills mit der neuen Kletterrose am Rankgerüst, die dort endlich Fuß gefasst hat und Platz braucht, sich ungehindert auszubreiten. Tuscany Superb rieb sich dagegen laufend mit James Galway am Obelisken und die kurze Blütezeit der Alten Rose wurde bislang noch jedes Jahr durch stürmische Winde empfindlich gestört. Ein wild durchpflügter Rosenbusch ist keine Zierde und zum Fotografieren der Blüten erst recht nicht geeignet. Aber keine Sorge, die beiden leben weiter in einem anderen, größeren fränkischen Garten.

Auch Fehlkäufe bei Rosen lassen sich korrigieren.

Anders liegt die Sache, wenn der Kauf einer bestimmten Rose sich als Irrtum erweist. Das kommt selten vor, aber doch. Cinderella von Kordes ist so eine Rose. Die Märchenrose hätte nach Kordes Katalog alles mitgebracht, was ich mir von einer schönen Rose wünsche: Eine romantische Erscheinung, rosa gefüllte Blüten, die nicht nicken.  Duft und gute Winterhärte. Sternrußtau und Mehltau wären kein Problem, behauptet zumindest Kordes. Die Wahrheit in meinem Garten sieht leider ganz anders aus: Am ersten Standort (Südlage, Hochbeet) kam Cinderella erst gar nicht in die Gänge. Im ersten Standjahr gab’s eine einzige mickrige Blüte, im zweiten verhockten die Knospen und wurden Mumien. Dann zog Cinderella ins Morgenbeet um und es gefiel ihr dort sichtlich besser. Sie wuchs immerhin auf ein Meter fünfzig und zeigte auch rosa Blüten, doch auch im neuen Beet mehr Mumien als voll erblühte Rosenblüten. Von einer üppigen, gesund wachsenden Strauchrose war und ist Cinderella jedoch noch immer Lichtjahre entfernt. Dieses Jahr war ein extrem gutes Rosenjahr mit (viel zu) wenig Regen. Meine 80 Rosen gediehen und blühten schöner und prächtiger denn je – bis auf Cinderella. Sie zierte sich ein weiteres Mal. Leidet massiv unter Sternrußtau und brachte wieder nur sehr wenige ansehnliche Blüten hervor. Wenn Sie dieses Foto sehen, können Sie vermutlich kaum verstehen, dass Cinderella nun endgültig weichen muss. Doch das Rosenfoto ist nur der Beweis, dass Cinderella im Prinzip gute Anlage hat, aber zum Tragen kommen Sie im Laufe der letzten Sommer leider viel zu selten. Und dafür ist der Platz in meinem Garten nun wirklich viel zu schade. Rosenbild Märchenrose Cinderella in Omas Garten Nächste Wackelkandidatin ist Romantikrose Falidae. Zugegeben, sie hat wunderschöne gefüllte Blüten in Cremegelb und duften tut sie auch. Aber was hilft mir das, wenn die Rosenzweige grundsätzlich zu schwach sind, die riesigen Blüten anmutig zu präsentieren. Die Blüten liegen auch nach Jahren nur auf dem Boden herum oder nicken dorthin. Das Südbeet mochte Felidaé überhaupt nicht. Im halbschattigen windigen Beet fühlt sie sich deutlich wohler. Das hält sie dennoch nicht davor ab, jedes Jahr mit Sternrußtau zu kämpfen. Mal ehrlich: Wer braucht das schon, wenn fünf Meter weiter Teasing Georgia mit überaus prächtigen gelben gefüllten Blüten lockt? So leid es mir tut, auch Felidaé kommt nach ihrem nächsten Blütenflor raus. Schlimm genug, dass die Blüten noch nicht einmal was für die Vase taugen. Schneide ich die Blüten relativ knospig, gehen sie nicht auf. Schneide ich sie voll erblüht, sind sie spätestens nach zwei Tagen aus und vorbei. Rosenbild Romantikrose Felidae

Garten ist Veränderung.

Nicht nur „schlechte“ Rosen müssen manchmal weichen, auch so manch problematische Staude muss bisweilen Platz für Neues schaffen. Diesen Punkt können Nichtgärtner nicht verstehen. Für sie ist ein bepflanztes Stückchen Land bereits ein fix und fertiger Garten, der so bleibt für die Ewigkeit. Wie langweilig! Und fern ab von jeder Realität. Gärtnereien müssten reihenweise schließen, würden Gartenbesitzer nicht laufend neue Pflanzen brauchen, um sich im Garten so richtig auszuleben. Versuch und Irrtum ist das Prinzip.

Gefährliche Schönheit: Herbstanemonen

Gefährliche Schönheit: Rosa Herbstanemone

Ein Beispiel dafür sind Herbstanemonen. Sie blühen ab August wunderschön aber manche Sorten sind wie die Pest. Nehmen sich, was sie brauchen und verdrängen dabei andere Pflanzen rigeros. Nichts hält sie auf. Es sei denn, man pflanzt sie von Anfang an mit einer Wurzelsperre, so wie Bambus. Gleiches gilt für viele Gräser und andere Ausläufer bildenden Stauden. Nicht immer und überall lassen die sich nämlich so leicht entfernen wie beispielsweise überflüssige Kissenastern oder Rudbeckia. Bei Felberich, Gelenkblume (Physotegia virginiana), Baldrian & Co muss man ziemlich ackern, um sie bei Bedarf wieder loszuwerden – wenn es denn überhaupt gelingt. An der Herbstanemone musste ich schon mehrere Jahre ran, um auch  ihre letzten Reste loszuwerden. Ist das geschafft, ist endlich wieder Platz für neue Ideen und neue Pflanzen. Es dauert ja nicht lange bis die neuen Gartenkataloge erscheinen und Lust machen auf Veränderung im Garten. Und ohne dieser ständige Veränderung wäre Gärtnern schließlich nur halb so schön.

Fiona Amann

Fiona Amann ist Werbetexterin, Bloggerin, Produktfotografin, Blumenfotografin und gärtnert leidenschaftlich gerne. In ihrem Gartenblog "Wo Blumenbilder wachsen" teilt sie Gartenwissen aus vier Jahrzehnten, stellt Lieblingspflanzen und ihre Pflege vor, verrät die Lieblingsrezepte ihrer Familie und Rezepte aus ihrer Landküche und stellt, wenn sie zum Thema passen, lohnenswerte Gartengeräte, Koch - und Gartenbücher vor.

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