Als ich vor wenigen Jahren auf der Suche nach einem robusten, schmalen Baum für meinen exponierten Sonnenhang war, empfahl mir die regionale Baumschule meines Vertrauens u. a. die Chinesische Wildbirne Pyrus calleryana ‚Chanticleer‘, auch Chinesische Stadtbirne genannt. Bis dahin kannte ich diesen Baum noch nicht, doch Gärtner Johannes überzeugte mich mit guten Argumenten:

Zukunftsbaum Chinesische Wildbirne ist robust, sturmfest und gut für Vögel & Bienen.

Die Chinesische Wildbirne hält große Hitze, Sonne und auch lang anhaltende Trockenheit aus. Dieses Jahr hat sie es beeindruckend bewiesen. Während andere junge Gehölze schon mal etwas schlapp aussahen, machte die Wildbirne gute Miene zum monatelangen Hitzesommer. Damit ist die Wildbirne ein Zukunftsbaum, der schon jetzt vom Klimawandel profitiert.

Der schmale Baum wurzelt sehr tief und schützt damit meinen Südhang vor Erosion. Zudem hält die Wildbirne auch starken Stürmen problemlos stand. Auch das hat mein Baum schon mehrfach bewiesen. Während der ausladende Maulbeerbaum daneben beim letzten Sturmtief im Sommer fast davon flog und dabei sogar seine beiden Baumpfähle aus dem Boden riss, raschelte die Wildbirne nur ein bisschen mit ihren ledrigen Blättern.

Die Wildbirne ist Bienennährgehölz und Insektenweide

Chinesische Stadtbirne, weiße Blüten in Dolden

Chinesische Wildbirne / Chinesische Stadtbirne, weiße Blüten in Dolden

Bienen und Vögel lieben die Chinesische Wildbirne gleichermaßen. Insekten freuen sich von April bis Mai über den mit kleinen weißen Doldenblüten reich gedeckten Tisch. Die Blütezeit ist, wie bei allen Obstbäumen, nur kurz, aber sehenswert und hübsch.

Unscheinbare Früchte der Chinesischen Wildbirne - Pyrus calleryana Chanticleer

Kleine, unscheinbare Früchte der Chinesischen Wildbirne – Pyrus calleryana Chanticleer

Im Herbst trägt die Wildbirne viele, aber eher unscheinbare, braune, etwa 1 Zentimeter kleine Früchte. Sie werden erst nach dem ersten Frost reif und sind dann Futter für Gartenvögel. Allerdings mussten meine Gartenvögel auch erst das neue „ausländische“ Obst im Garten kennenlernen, bevor sie sich so richtig daran trauten. Baumexperten zählen die Chinesische Wildbirne dennoch zu den wichtigen Vogelnährgehölzen.

Im Herbst trägt die Wildbirne glühendes Rot und leuchtendes Orange.

Zukunftsbaum Chinesische Wildbirne im Herbstkleid

Zukunftsbaum Chinesische Wildbirne im rot Herbstkleid

Noch schöner als Blüten und Früchte ist allerdings das leuchtend rot-orange Blätterkleid, das die Wildbirne im Herbst anlegt. Ich kann mich gar nicht an dem Farbenspiel satt sehen, so schön ist es. Insbesondere wenn abends oder morgens die tief stehende Sonne die Blätter streift. Dabei behält der Baum in normalen Jahren seine Blätter bis spät in den Dezember, doch dieses Jahr ist ja bei allen Bäumen alles anders. Es ist fast Ende Oktober und die ersten Blätter der Wildbirne fallen schon.

Warum die Chinesische Wildbirne auch Chinesische Stadtbirne heißt.

Den Zweitnamen Chinesische Stadtbirne trägt die Wildbirne, weil  sie mit dem Stadtklima, Abgasen und stehender Hitze gut zurecht kommt. Die Stadtbirne eignet sich gut als Straßenbaum, auch in engen Straßen, Alleen, Plätzen und Parks und kann auch überpflastert werden.

Chinesische Wildbirne - Pyrus calleryana Chanticleer

Chinesische Wildbirne im Herbst

Die Wildbirne kann auch extravagantes Formgehölz.

Die Wildbirne eignet sich perfekt für große und kleine Gärten. Der Baum wird etwa 7 bis 8 Meter hoch und seine Krone 4 bis 5 Meter breit. Aber wie sagt Gärtner Johannes so treffend: Kein Baum wird größer, als die Schere des Gärtners reicht. Das ist wohl auch Grund dafür, dass dieser kleine Baum in manchen Baumschulen auch als Spalierbaum oder Formgehölz angeboten wird. Streng beschnitten, in mehreren waagerecht geführten Etagen, aber durchaus attraktiv. Auf Dauer ist eine Wildbirne als Spalierbaum aber sicher nur für Leute geeignet, die sich auf einer Leiter wohl fühlen oder sich zweimal im Jahr einen Gärtner für den Schnitt leisten wollen.

Mein persönliches Fazit nach vier Jahren Standzeit im Garten

Die Wildbirne braucht ein bisschen Zeit, um Fuß zu fassen und sichtbar Substanz anzulegen. Er legt im Jahr 30-40 cm Höhe zu. Der verhältnismäßig dünne Stamm ist anfangs noch recht fragil und sollte zur Sicherheit an zwei Baumpfähle gebunden werden, zumindest in windigen Lagen. Mein Baum war  anfangs an einer drei Meter langen Bambusstange fixiert. Verkehrt war das sicher nicht.

Chinesische Wildbirne - Pyrus calleryana Chanticleer

Die Wildbirne überzeugt durch schmalen Wuchs, rotes Herbstkleid und als Bienenweide.

So schmal, wie der junge Baum ist, könnte man ihn glatt übersehen. Aber im Herbst kommt niemand mehr ohne Ah und Oh an ihm vorbei. Sein attraktives, leuchtend rot-oranges Herbstkleid zieht sämtliche Blicke auf sich.

Zukunftsbaum Chinesische Wildbirne, Wissenswertes auf einen Blick:

  • Name: Chinesische Wildbirne, Chinesische Stadtbirne, botanisch Pyrus calleryana ‚Chanticleer‘
  • Herkunft: In Asien wächst die Wildbirne wild in Wäldern und entlang von Flussufern.
  • Wuchs: Kleiner Baum mit schmaler, kegelförmiger Krone und aufrechten Seitenästen. Im Alter pyramidal. Wächst relativ rasch.
  • Blätter: Sommergrün, wechselständig, früher Austrieb, eiförmig, kurz zugespitzt, im Sommer dunkelgrün glänzend, in feuchten Jahren oder sonnenarmen Standorten späte Herbstfärbung in Orange, Rot, Scharlachrot und Purpur.
  • Blüten: Weiße, etwa 2 cm kleine Blüten, die in Dolden zwischen Ende April und Anfang Mai vor oder zusammen mit dem Laub erscheinen.
  • Rinde: kahl, dornenlos, bräunlich-grau, glatt.
  • Größe: 7-8 m, auch bis 12 m, Jahreszuwachs etwa 30 – 40 cm, Breite: 4-5 m
  • Standort: Am besten vollsonnig, damit sich die Herbstfärbung voll entfalten kann.
  • Boden: Normaler, durchlässiger Boden, auch trockene Standorte. Der Baum ist sehr anpassungsfähig, bevorzugt jedoch frischere, nicht zu nährstoffarme, neutrale bis alkalische Böden.
  • Wurzeln: Tiefwurzler, kräftig

Fiona Amann

Fiona Amann ist Werbetexterin, Bloggerin, Blumenfotografin und gärtnert leidenschaftlich gerne. In ihrem Gartenblog "Wo Blumenbilder wachsen" teilt sie Gartenwissen aus vier Jahrzehnten, stellt Lieblingspflanzen und ihre Pflege vor, verrät die Lieblingsrezepte ihrer Familie und Rezepte aus ihrer Landküche und stellt, wenn sie zum Thema passen, lohnenswerte Gartengeräte, Koch - und Gartenbücher vor.

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