Von wegen alt: jung bebliebenes, wertvolles „Altes Gartenwissen“

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Altes Gartenwissen

Altes Gartenwissen

Herbert Bischof, Susanne Bruns, Helmut Jantra

Kosmos Verlag

198 Seiten 2. Auflage 2012

ISBN: 978-3-440-13368-2

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Egal ob im Garten oder Haushalt: Was unsere Mütter und Großmütter noch von Kindesbeinen an gelernt haben (oder zumindest zuschauend erlebten), ist heutzutage oft unbekannt. Nicht immer sind die heutigen Methoden besser. Wie bei vielen Dingen des Lebens kommt es einfach darauf an.

Alt ist eine Frage der Perspektive

Als ich zur Schule ging, das war in den 1970er-Jahren, bekamen Mädchen noch Unterricht in Hauswirtschaft und Handarbeiten, während die Knaben sich mit Holz- und Metallarbeiten abplagten. Mein Schulkochbuch, das ich noch immer sehr gerne für bestimmte Grundrezepte nutze, enthält beispielsweise genaue Anweisungen, wie Eier, Kaffee oder Tee zu kochen sind. Eindrucksvoll dabei das Kapitel, in dem empfohlen wird, rohe Eier vor dem Kochen stets vorsichtig mit der Bürste abzuschrubben, weil Hühner beim Eierlegen nicht reinlich sind.

Wie schaffen es junge Leute von heute, fit im eigenen Haushalt zu werden, wenn selbst Kochbücher mit halbfertigen Erzeugnissen (Soßenpulver, Kartoffelpüree aus Flocken, Gewürzmischungen von Maggi oder Knorr, Gemüse aus der Tiefkühltruhe) arbeiten und nicht mehr mit rohem Gemüse, Nährmitteln und Grundnahrungsmitteln? Und was muss geschehen, damit „eigentlich Selbstverständliches“ nicht verloren geht?

Wann ist Gartenwissen alt? Und ab wann ist Wissen veraltet?


„Altes Gartenwissen“ ist ein Versuch, Erfahrungen an die heutige junge Generation weiterzugeben. Dabei geht es um weitaus mehr als um fruchtbare Böden, Obst- oder Gemüsesorten und wie man sie am besten anbaut. Der Blick ist viel weiter gefasst. Los geht’s mit alten Empfehlungen, wie man schöne Gärten gestaltet. Darin, so die Autoren, habe sich erstaunlicherweise seit Generationen nur sehr wenig geändert. Der Stil mancher Gärten bzw. die Auswahl an Blumen mag der Mode bzw. ihrer Entdeckung unterworfen sein, doch was Saat und Anbau angeht, da wussten erfahrene Gärtner schon immer Bescheid. Und ihr Fachwissen war zudem sehr gefragt. Genau wie heute!

Die Autoren ziehen Vergleiche bei den praktischen Arbeiten früher und heute im Garten, prüfen alte Tipps zum Jäten, Stutzen und Schneiden auf ihre Gültigkeit, entdecken alte Methoden zur Pflanzentreiberei wieder und empfehlen sie uneingeschränkt weiter zur Nachahmung heute. Gleiches gilt für die Drei-Beete-Kultur.

Alte Gemüse- und Obstsorten. Viele wurden zu Unrecht vergessen.

Das Bessere ist der Feind allen Guten? Vielleicht. Aber manchmal müssen wir uns ja nur daran erinnern, um alte Genüsse wiederzuentdecken. Gefüllter Kopfsalat mit Hackfleischfülle und sanft gebacken in Fleischbrühe, könnte tatsächlich schmackhaft sein, beim Salat aus Distelblättern bin ich mir dagegen nicht so sicher.

Die Autoren stellen Kräuter vor, die wohl die meisten ambitionierten Gartenbesitzer inzwischen schon wieder kennen, wenngleich viele Kräuter noch immer viel zu selten im Kochtopf oder in der Salatschüssel landen. Aus welchen Gründen auch immer. Das Buch schafft vielleicht Abhilfe mit weiteren Verwendungsideen.

Ernten, verwerten und lagern

Das Kapitel übers Einlagern ist ein echtes Highlight für alle, denen nach dem Einfrieren nichts mehr einfällt, um die Ernte für den Winter haltbar zu machen. Jetzt geht es ums Einwecken, Entsaften, Trocknen, sauer Einlegen, Marmelade & Gelee kochen … da wird gutes altes Hausfrauenwissen in aller Kürze neu erklärt und dieses Wissen ist tatsächlich so hilfreich und nützlich wie seit eh und je. Am Ende kommen auch die alkoholisierten Früchte mit ins Spiel. Rezepte für Minzengeist, Schlehenlikör, Himbeerschnaps, Johannisbeerkorn und Rosmarinwein finden garantiert begeisterte Anhänger.

Fazit:

Altes Gartenwissen ist weit mehr als ein Gartenbuch. Es verbindet Garten mit Haushalt, verschiedene Anbaumethoden mit ernten, verwerten und haltbarmachen. Es ist ein rundum gelungenes ganzheitliches Werk, das ich besonders jüngeren Gartenfreunden ans Herz legen möchte.  Also all‘ jenen, die das Einwecken im Sommer noch nicht einmal als Kind erlebt haben. Auf dass dieses Wissen nicht verloren geht. Wäre doch wirklich schade, gäbe es keine köstlich eingelegten Mirabellen mehr.

Altes Gartenwissen

Altes Gartenwissen

Über die Autoren:

  • Herbert Bischof war jahrelanger Leiter des Amtes für Obst- und Gemüsebau im Bodenseekreis. Mittlerweile ist er Geschäftsführer der Internationalen Interessengemeinschaft für die Erhaltung der Obsthochstämme rund um den Bodensee (IOB).
  • Susanne Bruns hat Gartenbau studiert und lebt nun in ihrer grünen Oase am Rande von Hannover.
  • Helmut Jantra war Redakteur bei „Mein schöner Garten“ und ist Gartenbuchautor.

 


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