Eine Gärtnerei zu führen, ist nicht einfach. Eine gute Staudengärtnerei so zu führen, dass Kunden (fast) von alleine gerne immer wieder kommen und kaufen, ist noch viel schwieriger. Der Wettbewerb durch Internet, Baumärkte und Discounter ist beachtlich – so, wie in jeder anderen Branche eben auch.

Junge Kunden haben Ihre Liebe zu Pflanzen entdeckt

Dabei boomt privates Gärtnern. Junge Leute haben urbanes Gärtnern für sich entdeckt und selbst der Schrebergarten hat seinen spießigen Beigeschmack abgelegt und ist so angesagt wie nie. Die Beliebtheit von Gartenveranstaltungen ist ein weiteres Indiz für das steigende Interesse an Pflanzen und schön angelegten Gärten. Besuchten Gartenfreunde noch vor zehn Jahren vielleicht zweimal in der Saison einen regionalen Gartenmarkt, laden heute zwischen Ostern bis Oktober am laufenden Band grüne Events zum Kommen, Staunen und Kaufen ein. Da liegt für manche Gärtnerei die Verlockung nah, lieber selbst Events zu veranstalten, als auf fremden Märkten kostenpflichtig ihre Waren hinzufahren und feilzubieten.

Neues Gärtnerei-Marketing – mit vorhersehbaren Mängeln.

Für Gartenbetriebe auf dem Land, insbesondere innerhalb des Speckgürtels einer Metropolregion, ist es nur scheinbar ein Leichtes, auf dem eigenen Gelände Platz für allerlei Kultur zu schaffen. Leseabende im Gewächshaus, Beauty-Seminare mit Kräutern oder Duft-Seminare für baumelnde Seelen sind der Renner. Mancherorts lauschen Astern, Rosen und mediterrane Kübelpflanzen. fast wöchentlich melodischen Klängen Musikschaffender zu. An anderen Tagen lernen gelangweilte Hausfrauen, für 39 Euro Omas Weckglas mit Weidenruten zu verzieren, um sie anschließend als Windlicht zu verschenken.

Ein Gartenevent macht noch lange keine gute Gärtnerei

Schattiger Sitzplatz lädt in der Eckentaler Gärtnerei Landgraf zum Verweilen, Ausruhen und Staunen ein.

Warum sind Gartenevents so tückisch für die Gärtnerei?

All das geschieht neben des laufenden Gärtnereibetriebs und weil die emsigen Gärtner jetzt nicht nur Pflanzen, sondern auch Musiker, Handwerker, Techniker, Besucher und das Marketing managen müssen, bleibt automatisch fürs Kerngeschäft weniger Zeit. Es sei denn, sie stocken ihr Fachpersonal gründlich auf. Doch wer tut das schon.

So kommt es, wie es kommen muss: Die Qualität der Pflanzen leidet, wenn Gärtner keine Zeit mehr haben, sie zu pflegen und zu hegen. Mit dem maschinellen Topfen und Aufstellen der Jungpflanzen ist es doch längst nicht getan. Der Garten will jeden Tag seinen Herr und Meister sehen. Dieses Sprichwort gilt heute noch genauso wie vor hundert Jahren. Denn bei aller helfenden Technik: Nur der erfahrene Gärtner “liest” den Zustand der Pflanzen von ihrem Aussehen ab und gibt ihr dann das, was sie zum gesunden Gedeihen braucht.

Wenn Gärtner jedoch, anstatt nach den Pflanzen zu sehen, Künstler im Schaugarten unterstützen und Gäste bewirten müssen, leidet am Ende die Qualität. Was wirklich schade ist. Denn wofür steht denn eine Gärtnerei im besten Fall? Weswegen fahren die Leute persönlich dorthin und bestellen nicht bequem im Internet? Es ist die Auswahl an Pflanzen und deren Qualität. Stimmt beides nicht, helfen auch keine “Events im Schaugarten”, um Kunden zu halten.

Gärtner, kehrt zurück zu euren Wurzeln, bitte!

Keine Frage: Gutes Marketing muss auch für Gärtner und “grüne” Betreibe sein. Doch gutes Marketing fängt bei der Auswahl der Pflanzen an, geht über deren Qualität und endet gewiss nicht beim Service. Dieser darf inzwischen gerne auch auf Twitter, Facebook, Pinterest, Instagram, YouTube, oder im eigenen Onlineshop stattfinden – eben dort, wo bekennende Gartenfreunde sind. All diese potentiellen Kunden wollen Tipps fürs Gärtnern im eigenen Garten, suchen nach Infos zu Pflanzen und wie sie sie pflegen und ihre Krankheiten behandeln. Gärtner, die diesen Service anbieten haben auch in Zukunft Fans ohne Ende – zahlende Fans, wohlgemerkt.

Gärtnereien, die dennoch auf eigene Gartenevents nicht verzichten wollen, müssen bereit sein, das Personal aufstocken. Denn auch Eventmanagement  will gelernt sein und ist bestimmt nichts, was eine Gärtnerei mal eben nebenbei erledigen kann.

 

Ein Gartenevent macht noch lange keine gute Gärtnerei

Fiona Amann

Fiona Amann ist Werbetexterin, Bloggerin, Produktfotografin, Blumenfotografin und gärtnert leidenschaftlich gerne. In ihrem Gartenblog "Wo Blumenbilder wachsen" teilt sie Gartenwissen aus vier Jahrzehnten, stellt Lieblingspflanzen und ihre Pflege vor, verrät die Lieblingsrezepte ihrer Familie und Rezepte aus ihrer Landküche und stellt, wenn sie zum Thema passen, lohnenswerte Gartengeräte, Koch - und Gartenbücher vor.

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