Dieses Jahr fliegt wirklich rasend schnell dahin. Es ist Anfang Juni und am Südhang stehen viele Stauden schon so hoch wie sonst erst im Juli. Die Rosen blühen schon seit Anfang Mai und Taglilien, die sonst erst im Juli blühen, zeigen bereits jetzt lange Blütenstängel. Wo soll das noch enden? Frühe Blüte und danach ist vorzeitig Schluss mit der Pracht im Garten? Das muss nicht sein. Mit dem Chelsea-Schnitt für Stauden stutzen Sie zu früh und zu heftig gewachsene Stauden jetzt noch auf das Normalmaß zurecht und sorgen damit für spätere Blüten von stabiler aufgebauten Stauden.

Astern profitieren vom Chelsea-Schnitt für Stauden

Auch Astern profitieren vom Chelsea-Schnitt für Stauden

Der Chelsea-Schnitt für Stauden ist besonders wichtig in einem „frühen“ Jahr

Der Chelsea-Schnitt ist kein modischer Haarschnitt zur berühmten Blumenshow in Chelsea, sondern gehört zum alten Gartenwissen aus der Staudengärtnerei. Bei dieser Staudenschnitttechnik geht es darum, buschige, stabil aufgebaute Stauden heranzuziehen. Die Staudenbeete werden ja im März gut gedüngt, was naturgemäß das Wachstum anregt. Manche Stauden schießen allerdings auch schnell über das Ziel hinaus, werden lang und länger und setzen dann viel zu früh auch schon Blüten an. Je sonniger der Standort und je mehr Dünger im Boden, desto früher sind auch Stauden dran, die eigentlich erst im Hochsommer oder im Herbst ihren großen Auftritt haben. Dazu gehören diverse Herbstastern, Sonnenhut Rudbeckia, Sonnenhut Echinacea, Sonnenbraut, Fetthenne ‚Herbstfreude‘, ‚Matrona‘ oder ‚Brilliant‘ sowie Herbst-Chrysanthemen und Herbst-Margeriten. Bei ihnen lohnt es sich sehr, sie Mitte bis Ende Mai um ein Drittel bis zur Hälfte abzuschneiden. Sie blühen anschließend etwa sechs Wochen später, wobei sie sich gleichzeitig von unten her üppiger, breiter und stabiler aufgebaut.

Echinacea purpurea | Roter Sonnenhut

Echinacea purpurea | Roter Sonnenhut

Anfang Juni ist höchste Zeit für den Rückschnitt später Stauden.

Haben Sie den Termin für den Chelsea-Schnitt im Mai verpasst? Keine Sorge, auch Anfang Juni können und sollten Sie beherzt zur Schere greifen. Nur Mut, es lohnt sich wirklich, die genannten Stauden zurückzuschneiden. Insbesondere Herbst-Chrysanthemen bedanken sich und blühen mit Glück sogar ohne Stützkorsett, was überaus wünschenswert ist.

Helenium, die Sonnenbraut, braucht einen Chelsea-Schnitt im Mai

Helenium, die Sonnenbraut, verträgt einen Chelsea-Schnitt im Mai bis Anfang Juni.

Beim echten Chelsea-Schnitt wird bei Fetthennen allerdings nur der äußere Ring geschnitten, wovon die Stabilität der gesamten Staude profitiert und sich die Blütezeit insgesamt verlängert. Schöner Nebeneffekt: Die abgeschnittenen Triebspitzen können Sie gleich auch als Stecklinge verwenden und ihre Fetthenne so problemlos vermehren.

Tipp: Erst schneiden, dann Fetthennen durch Stecklinge vermehren.

Fetthennen gehören zu den Dickblattgewächsen und diese lassen sich besonders leicht durch Blatt- oder Kopfstecklinge vermehren. Dazu gibt es gleich mehrere Methoden:

  1. Blattsteckling abreißen, 1-2 Tage antrocknen lassen und dann in sandige Erde stecken und angießen.
  2. Kopfstecklinge schneiden bzw. nehmen, was beim Chelsea-Schnitt anfällt, untere Blättchen entfernen, so dass ein kleiner Stiel entsteht, und in ein Töpfchen mit sandiger Erde stecken und angießen.
  3. Kopfsteckling unten herum von Blättern befreien und zum Bewurzeln in ein Glas im Wasser stellen.

Stecklinge bewurzeln leichter in gespannter Luft (hohe Luftfeuchtigkeit). Dazu stülpen Sie am besten einen durchsichtigen Gefrierbeutel oder eine halbierte PET-Getränkeflasche über den Topf mit dem Steckling. Lüften Sie einmal am Tag und beobachten Sie die Stecklinge. Beginnt die Pflanze zu wachsen, hat sie Wurzeln geschlagen und kann danach auch bald in den Garten gepflanzt werden. Stellen Sie Stecklinge zum Bewurzeln an einen warmen, schattigen Platz.

Fetthenne bevorzugt sandig-lehmige Böden, die durchaus austrocknen dürfen. Zu viel Wasser und zu viele Nährstoffe im Boden machen ihre Triebe weich und anfällig.

Tipp: Besonders einfach gelingt das Bewurzeln der Stecklinge in einem Mini-Gewächshaus – ersatzweise dient eine durchsichtige, stapelbare Aufbewahrungsbox vom unmöglichen Möbelhaus. Die ist ja auch zur Aussaat von Gemüse und Sommerblumen äußerst praktisch und vielseitig einsetzbar.

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