Normalerweise schneide ich meinen Lavendel direkt nach der Blüte. Das hat gute Gründe:

  • Sehr früh geschnittener Lavendel enthält die meisten ätherischen Öle. Das sind die besten Lavendelblüten, um daraus Duftsäckchen, Lavendelöl, Lavendelessenz oder Lavendelsalbe herzustellen.
  • Je früher ich den Lavendel schneide, desto früher treibt er wieder aus. Die neuen Lavendelzweige haben so bis zum Winter auch genügend Zeit, richtig zu verholzen.
  • Früh geschnittene Lavendel erfreuen im Herbst manchmal mit einer Nachblüte.
  • Unter frischem Lavendelmulch wachsen sehr oft Lavendelsämlinge – direkt im Beet. Die Vermehrung des Lavendels gelingt im Sommer weitaus besser als nach einem nasskalten Winter.
  • Trotz alledem gibt es auch einen guten Grund für den späten Lavendelschnitt.
Lavendel säumt den Gartenweg am Sonnenhang

Lavendel säumt den Gartenweg am Sonnenhang

Warum der späte Lavendelschnitt manchmal trotzdem richtig ist.

Zugegeben: Abgeblühter Lavendel ist keine Zierde für den Garten. Je länger er steht, desto mehr fällt er auseinander. Im späten Herbst und erst recht bei Schnee und Eis macht der Anblick des grauen Gestrüpps keine rechte Freude mehr. Es sei denn, man ist ein Singvogel und mag Sämereien. Damit sind wir auch schon mitten im Thema Nahrung für Vögel und der vogelfreundliche Garten. Ein Garten, in denen sich Vögel wohl und zu Hause fühlen, bietet das ganze Jahr über Nahrung, Wasser, Schutz, Nistplätze, Aussichts- und Sitzwarten. Mit Nahrung meine ich nicht unbedingt einen gut gedeckten Futterplatz, sondern natürliche Nahrungsquellen wie Insekten, Beeren, Spinnen- und Krabbeltiere. Auch Raupen und Schnecken sind lebendes Vogelfutter – und verblühte Blumen mit ihren Sämereien.

Wer Vögel liebt, lässt mehr Natur in den Garten.

In einem naturnahen Garten darf im Herbst vieles stehenbleiben, was vermeintlich “ordentliche” Gärtner schnell und eifrig schneiden und abräumen. Doch in einem abgeräumten Garten finden Insekten keine Schlaf- und Überwinterungsplätze mehr, Igel kein Winterquartier und Vögel leider auch keine Nahrung. Was also tun?

  • Schaffen Sie naturnahe Bereiche im Garten. Nicht jeder Fleck im Garten muss stets aufgeräumt und von allen Beikräutern befreit sein.
  • Füttern Sie Gartenvögel das ganze Jahr mit geeignetem Wildvogelfutter. Einerseits zum Ausgleich für fehlendes natürliches Vogelfutter, andererseits um sich selbst zu belohnen. Vögel im Garten zu beobachten macht einfach Spaß. Zu sehen, dass jedes Jahr mehr und andere Vögel am Futterplatz naschen, auch.
  • Stellen Sie im Garten mehrere Wasserschalen für Vögel und Insekten auf.
  • Pflanzen Sie mindestens einen Baum, besser zwei oder drei. Es gibt so viele schöne, schmal und klein bleibende Hausbäume, Sie finden darunter sicher auch Ihren Lieblingsbaum. Bäume in Säulenform oder mit Kugelkrone brauchen unten herum nur sehr wenig Platz und Hochstämme sind ohnehin platzsparender als Bäume, bei denen die Krone gerade einmal auf Augenhöhe ist.
  • Wenn Sie eine Hecke pflanzen möchten, wählen Sie dafür ein robustes, heimisches Gehölz, das auch Vögeln (Nistplatz, Früchte) und Insekten (Blüten) etwas bietet. Beispielsweise Liguster oder Hainbuchen. Noch besser/schöner sind allerdings gemischte Blütenhecken,  in denen immer wieder etwas anderes blüht.
  • Pflanzen Sie heimische Nährgehölze für Vögel und Insekten und wählen Sie standortgerechte Sorten, denn sie sind von Natur aus pflegeleicht und robust. Lassen Sie sich von einer regionalen Baumschule beraten. Nicht alles, was problemlos in Lüneburgs Gärten wächst, gedeiht auch in Franken – und anders herum.
  • Hängen Sie wetterfeste, stabile Nistkästen auf.

Der Vogelfreund lässt weder Gift noch Schotter in seinen Garten

  • Verzichten Sie auf Schotter und Kiesflächen im Garten!
  • Verwenden Sie KEIN GIFT im Garten! Insekten, Mücken, Raupen, Läuse und andere Krabbeltiere sind nichts anderes als lebendes Vogelfutter. Wo viele Vögel sind, werden Insekten ohnehin nie zur Plage.
  • Lassen Sie die Katze im Haus oder bauen Sie ihr draußen ein eigenes Katzenrevier, aus dem sie nicht entweichen kann. Jede streunende Katze fängt, statisch gesehen, mindestens 30 Singvögel im Jahr. Andere Kleintiere, wie Eidechsen, kommen noch hinzu.
Blaumeise in der Mehlbeere

Blaumeise sitzt in der Mehlbeere und begutachtet einen Nistkasten.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Lavendel zu schneiden?

Es gibt keinen richtigen oder falschen Zeitpunkt, Lavendel zu schneiden. Es kommt darauf an, was Ihnen wichtig ist. Möchten Sie Lavendelblüte für Küche oder Bad verwenden, schneiden Sie ihn zur vollen Blüte. Möchten Sie gratis Lavendelsämlinge, dann schneiden Sie ihn direkt nach der Blüte. Möchten Sie dagegen Vögeln eine Freude machen, schneiden Sie ihn erst im Vorfrühling.

In meinem Garten wächst sehr viel Lavendel, darunter auch frühe und sehr späte Sorten. Der Lavendelschnitt zieht sich über einige Wochen hinweg – so verlängert sich die Lavendel-Saison ganz automatisch. Einige Pflanzen wachsen an schwer zugänglichen Stellen, die kommen immer zuletzt dran. Bis dahin, hat der Hänfling hoffentlich alles geholt, was es für ihn im Lavendel zu holen gibt. Danach ist wieder ein anderes Kräutlein reif im Garten – im Herbst dann auch der früh geschnittene Lavendel. Außerdem füttere ich die Vögel ganzjährig am Futterautomaten und sollte das nicht reichen: Hinterm Haus gibt’s eine große Wildblumenwiese. Sämereien satt bis zum Schnee und darüber hinaus.

 

Fiona Amann

Fiona Amann ist Werbetexterin, Bloggerin, Produktfotografin, Blumenfotografin und gärtnert leidenschaftlich gerne. In ihrem Gartenblog "Wo Blumenbilder wachsen" teilt sie Gartenwissen aus vier Jahrzehnten, stellt Lieblingspflanzen und ihre Pflege vor, verrät die Lieblingsrezepte ihrer Familie und Rezepte aus ihrer Landküche und stellt, wenn sie zum Thema passen, lohnenswerte Gartengeräte, Koch - und Gartenbücher vor.

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