Ein bunter Frühling beginnt im Herbst – mit Blumenzwiebeln

Gepostet in Featured, Gartenwissen kompakt

Tulpenbild The big Pink

The big Pink

Spätestens im September juckt es allen Gärtnern wieder in den Fingern. Schuld daran ist die Natur – die der Gärtner und die der Tulpenzwiebeln ebenso. Letztere blühen im ersten Jahr bombastisch, doch schon im folgenden Jahr sind viele dieser Tulpen einfach verschwunden. Wildtulpen sind diesbezüglich viel zuverlässiger, sie vermehren sich sogar im Laufe der Jahre, sofern man sie nach der Blüte in Ruhe lässt, bis sie im Laufe des Sommers komplett verwelken und vorher auch noch ihren Samen verteilen. Auch einige Darwin- und Viridiflora-Tulpen sowie eine Hand voll Lilienblütige Tulpen wie Purple Dream, White Triumphator, Ballade oder Ballerina halten sich durchaus einige Jahre im gut drainierten Blumenbeet. Eine Auswahl dauerhafter Tulpensorten finden Sie gleich nebenan.

Ein Tulpenmeer mit Purple Dream

Ein Tulpenmeer mit Purple Dream


Bei vielen anderen modernen Hochleistungstulpen ist es dagegen pures Glück, wenn sie im nächsten Jahr noch einmal kommen und blühen. Verlassen möchte ich mich darauf lieber nicht denn mein Frühling soll schließlich bunt und heiter werden. Schon ab Februar erwarte ich erste Winterlinge und Schneeglöckchen und danach geht Schlag auf Schlag. Sie könnten ein ganzes Gartenjahr alleine mit Blumenzwiebeln gestalten. Beispiele und Pflanzpläne dazu liefert das schöne Gartenbuch „Zwiebelblumen„. Im Schwesterblog stelle ich das imposante Nachschlagewerk genauer vor.

Doch zurück zum Frühling im eigenen Garten und was Sie dafür jetzt tun können, damit er bunt und abwechslungsreich blüht.

Jäten Sie Unkraut bis zum Frost

Es ist ein Trugschluss, dass im Winter alle Beikräuter/Unkräuter von alleine verschwinden und Sie sich deswegen im Herbst das Jäten sparen können. Ganz im Gegenteil. Wer im Spätherbst noch einmal Löwenzahn, Vogelmiere, Disteln, Hahnenfuß, roten Klee(!) und andere Beikräuter mit (!) den Wurzeln entfernt, muss es nicht im Vorfrühling tun und läuft dann auch nicht Gefahr, auf erste Frühblüher zu treten oder gar kaputt zu hacken. Ohnehin sollten Sie sich unbedingt frühes, das heißt rechtzeitiges Jäten angewöhnen. „Wehret den Anfängen!“ heißt die Devise. Ein junger Löwenzahn lässt sich schnell und einfach mit dem Wurzelstecher entfernen. Drei Wochen später hat der Löwenzahn schon sehr lange Wurzeln, die dann eher abbrechen als sich an einem Stück aus dem Boden ziehen zu lassen. Zudem sind alle Beikräuter Nahrungskonkurrenten für Kulturpflanzen. Das heißt, das Unkraut profitiert schneller vom vorhandenen Dünger als Kulturpflanzen, die in aller Regel langsamer keimen und wachsen.

Stecken Sie Blumenzwiebeln nicht zu früh

Blumenbild Kleiner Wildfang

Blumenbild Kleiner Wildfang

Traubenhyazinthen treiben bereits Ende August mit Blattgrün aus, was leider dazu führt, dass es nach dem Winter schon ziemlich verhunzt aussieht. Wer das vermeiden will, nimmt Traubenhyazinthen nach der Blüte aus dem Boden und steckt die dicksten Zwiebeln erst wieder im Spätherbst. Entsorgen Sie die Brutzwiebeln, die zu viel des Guten sind. Dadurch vermeiden Sie auch, dass sich die kleinen Blauen ungezügelt vermehren. Außerdem bekommen Traubenhyazinthen auf diese Weise größere und schönere Blüten.

Wenn Sie Blumenzwiebeln, speziell Tulpen oder Hyazinthen zu früh setzen, treiben sie gern zur Unzeit aus, falls es im Herbst wochenlang mild ist. Sobald Tulpen jedoch voll im Saft stehen, sind sie empfindlich gegenüber Nässe und starken Frost. Sie faulen oder schimmeln und dann ist es vorbei mit der Frühjahrsblüte.

Der beste Zeitpunkt, um Frühlingsblumenzwiebeln zu stecken ist, sobald die Temperaturen unter 7-10 Grad gefallen sind, ab Mitte/Ende Oktober sollte es in Süddeutschland so weit sein. Keine Sorge: Sie müssen sich mit dem Stecken nicht beeilen. Solange der Boden frostfrei ist, können Sie im Spätherbst Blumenzwiebeln in Beete oder Kübel stecken. Selbst Ende Dezember ist es dafür noch nicht zu spät.

Klotzen, nicht kleckern

Tulpenbild Sunny Beautys

Sunny Beautys

Eine Tüte mit zehn Blumenzwiebeln macht keinen Frühling, von dem Sie träumen. Wenn Ihr Garten größer ist als Ihr Budget für Blumenzwiebeln, dann konzentrieren Sie sich lieber auch ein üppig bestücktes Frühlingsbeet, das diesen Namen auch verdient, als kleckerlesweise hier und da ein bisschen Farbe im Garten zu verteilen. Ihr Frühlingsbeet sollte natürlich an einer prominenten Stelle liegen und auch aus dem Fenster bestens zu sehen sein.

Setzen Sie Blumenzwiebeln nicht in Reih und Glied

Solange Sie keinen streng gegliederten Barockgarten gestalten, sollten Sie Blumenzwiebeln möglichst natürlich verteilen. Das gelingt indem Sie jede Blumenzwiebel einzeln aus der Tüte nehmen und ins Beet werfen. Wo sie aufkommt, wird sie eingegraben. Natürlich können Sie trotzdem Tuffs mit drei, fünf oder mehr Tulpen setzen. Sehr schön können spezielle Blumenzwiebel-Mischungen wirken, vorausgesetzt alles blüht zur gleichen Zeit – oder nach einander, je nach Pflanzkonzept. Ob der Plan tatsächlich so aufgeht, steht allerdings auf einem anderen Blatt.  Mein Tulpenbeet am Südhang hat mich im Frühling doch leicht frustriert.

Investieren Sie in Blumenzwiebeln zum Verwildern

Tulpenbild Himbeerrot

Wildtulpe Humilis violaceae “Black Base” strahlt hübsch in Himbeerrot

Glück mit Blumenzwiebeln ist nicht ganz so einfach und preiswert zu haben, wie es zunächst den Anschein hat. Wühlmäuse haben schon so manchen Gärtner unglücklich gemacht, nasse Sommer und Barfröste im Winter ebenso. Wer diesen Frust im Frühling vermeiden will, setzt – neben den üblichen Tulpen – vermehrt auf Blumenzwiebeln zum Verwildern. Jeder gut sortierte Blumenzwiebelhändler führt auch botanische Narzissen, Wildtulpen, Schneeglöckchen, Sternenglanz, Blausternchen, Fuchstrauben, Schachbrettblumen, Winterlinge, Hasenglöckchen und Skillas. Setzen Sie diese Blumenzwiebeln an Stellen, an denen sie möglichst lange ungestört wachsen, blühen und verwelken können und binnen weniger Jahre entsteht dort jeden Frühling ein herrliches Blütenmeer – auch ohne Ihr Dazutun.

Spaß mit Schneeglöckchen im Garten

Spaß mit Schneeglöckchen im Garten

Wehren Sie erfolgreich Wühlmäuse ab.

Das beste Mittel gegen Wühlmäuse ist reges Treiben im Garten. Seien Sie aktiv, wandern Sie täglich durch Ihren Garten. Nehmen Sie dabei Wurzelstecher und Schere mit, entfernen Sie Unkraut im Vorübergehen und schneiden Sie Verblühtes zeitig ab. Mag sein, dass Hund und Katze das Ihre tun würden, um Nager zu vertreiben aber ich male mir das lieber nicht aus. Mir genügt es genügt völlig, dass Nachbars Katzen hier ständig scharren, urinieren, Kot hinterlassen und Vögel attackieren. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Lärmende und im Garten tollende Kinder können Wühlmäuse auch nicht leiden. Sie ziehen genervt ab, dorthin wo es wesentlich ruhiger ist.

Drahtkorb aus Volierendraht oder Drahtgeflecht.

Drahtkorb aus Volierendraht.

Im Handel werden Plastikkörbe als Schutz gegen Wühlmäuse angeboten. Solange die Nager ungehindert von oben an die begehrten Zwiebeln kommen, sind offene Pflanzkörbe leider pure Geldverschwendung. Anders sieht es mit geschlossenen Körben aus engmaschigen Drahtgeflecht aus. Diese können Sie recht einfach und preiswert selbst herstellen. Alles, was Sie dazu benötigen ist eine Rolle Drahtgeflecht oder Volierendraht und einen Seitenschneider.

Blumenbild Plötzlich Frühling mit Narzissen

Plötzlich Frühling mit Narzissen

Auch Blumenzwiebeln brauchen Dünger zur rechten Zeit

Es ist ein Märchen, dass Blumenzwiebeln von Natur aus alles mitbringen, was Sie zum Blühen brauchen. Ohne zusätzliche Nährstoffe bleiben die meisten Tulpen, Hyazinthen und Narzissen weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Abhilfe schafft eine sehr frühe Düngergabe sobald sich im Vorfrühling das erste Grün zeigt. Am besten eignen sich dazu spezielle Blumenzwiebeldünger, organischer Dünger mit Sofortwirkung tut es auch. Hornspäne sind m. E. weniger gut geeignet, weil sie über Wochen und Monate ihre Nährstoffe abgeben und bis dahin sind Frühblüher längst verblüht. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit Blumenzwiebeldünger von Neudorff gemacht, wobei Neudorff empfiehlt, bereits beim Setzen der Blumenzwiebeln diese zu düngen, das klappt naturgemäß allerdings nur im ersten Jahr.

Achtung: Schneeglöckchen und Traubenhyazinthen sollten Sie dagegen überhaupt nicht düngen, da diese sonst vermehrt Blätter ausbilden und kaum Blüten.

blumenzwiebeln-pinterest

 


Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Der Blumenbote. Newsletterservice von Nature to Print

Der Blumenbote

Blumenbilder, Bücher und Praxis-Tipps für Gartenfreunde

Vielen Dank, Ihre Anmeldung hat geklappt.

Pin It on Pinterest

Share This