Alle reden vom Insektensterben. Alle bedauern das Wegbleiben der Bienen und Schmetterlinge und beklagen das Fehlen von Bienensummen. Als die Bayern endlich beschlossen, gegen das Insektensterben vorzugehen, schoben viele die Schuld für das Bienensterben auf die Bauern, auf die Industrie und auf den Einsatz von Herbiziden. Aber das ist doch nur die halbe Wahrheit. Jeder Einzelne ist gefordert, denn Bienen retten geht uns alle an.

Naturschutz und Bienen retten geht uns alle an!

Auch Naturschutz ist längst kein exklusives Thema der Grünen, das hat inzwischen selbst die CSU erkannt und setzt nun Schritt für Schritt das neue Gesetz zur Artenvielfalt um. Doch das ist längst nicht genug. Wirklich jeder, der auch nur einen Blumenkasten, einen winzigen Vorgarten, Garten oder einen Acker hat, kann und muss selbst aktiv werden. Naturschutz und Artenvielfalt geht uns alle etwas an. Mit der richtigen Auswahl bienenfreundlicher Pflanzen fängt es an.

Bauern gewinnen doppelt und fordern trotzdem Entschädigung

Auch und gerade Bauern profitieren vom neuen Gesetz zur Artenvielfalt. Klar kosten Blühstreifen zunächst Geld und bringen keine (normale) Ernte – vordergründig betrachtet. Aber am Ende zahlt sich das Saatgut für den Blühstreifen auch für die Bauern aus. Denn wenn Bienen nicht nur den Blühstreifen befliegen, sondern ihren Job im benachbarten Feld gleich mit erledigen, klappt es auch besser mit der Bestäubung. Trotzdem fordern Bauern Entschädigung. Es ist nicht zu verstehen. Dabei verbessert sich sogar die Qualität des Bodens, wenn anstatt von stark zehrenden Mais leichtfüßige Sommerblumen wachsen. Blühstreifen helfen Insekten – und sind auf lange Sicht gut für den Boden und damit auch für dessen Eigentümer.

Wäre es nicht besser, alle, auch Bauern in die Pflicht zu nehmen wenn es um Naturschutz und Artenvielfalt geht? Ohne Entschädigung, dafür mit drastischen Strafen wenn sie sich nicht an das neue Artenschutzgesetz halten? Wenn ich sehe, wie viele Obstbäume alleine rund um Igensdorf ohne Not abgeholzt wurden, um nicht unter das neue Gesetz zur Artenvielfalt zu fallen, habe ich dafür kein Verständnis. Denn selbst wenn ein Obstbaum keinen monetären Gewinn mehr abwirft, so blüht und nährt er doch Tausende Bienen und bietet vielen Vögeln ein sicheres Zuhause.

Auch dieser alte Kirschbaum darf noch bleiben. Was für ein Glück.

Selbst dieser alte Kirschbaum macht Bienen und Vögel glücklich und darf noch eine Weile bleiben. Was für ein Glück – auch für mich.

Gärtnereien sehen neues Potenzial

Gärtnereien springen auf den fahrenden Zug und preisen nun endlich vermehrt bienenfreundliche Pflanzen an. Das wurde aber auch höchste Zeit! Wer, wenn nicht Gärtner, kennen die besten Vogel- und Insektennährgehölze, bienenfreundliche Stauden und Sommerblumen. Wer könnte Gartenbesitzer besser beraten als regionale Gärtnereien und Baumschulen? Viele Leute sind längst bereit, ihre Gärten, Blumenkästen bienenfreundlich zu bepflanzen. Na bitte, geht doch! Jetzt nur nicht nachlassen. Der Herbst hat gerade erst begonnen. Zeit, Umsatz zu machen mit Pflanzen, die nicht nur schön, sondern auch nützlich sind für Natur, Bienen und Vögel.

Blühstreifen entlang der Gärtnerei Landgraf in Eckental

Blühstreifen entlang der Gärtnerei Landgraf in Eckental mit Spornblumen, Klatschmohn, Witwenblumen, Ehrenpreis und Gräsern.

Jeder Gartenbesitzer ist in der Pflicht

Bonn verbietet Schottergärten und fordert Hausbesitzer auf, ihre Gärten zu begrünen. Gut so. Und was Bonn kann, können auch andere Städte und Gemeinden. Schottergärten sind nämlich keine moderne Interpretationen von Gärten, sondern ein Verbrechen an der Natur. Diese potthässlichen Steinwüsten heizen sich im Sommer übermäßig auf und geben weder Tier noch Mensch ein Zuhause. Sie sind noch nicht einmal pflegeleicht. Unkraut wächst auch in Schottergärten – trotz Vlies (zukünftiger Plastikmüll) im Untergrund. Und weil sich Unkraut zwischen Steinen nur mühsam entfernen lässt, greifen die Besitzer schnell zu verbotenen Herbiziden. Eine Schande! Und so überflüssig.

Entsteinen Sie den Garten!

Der Naturschutzbund fordert, Steingärten per Gesetz zu verbieten. Gut so. Besser wäre es allerdings, Anreize zum Begrünen von Gärten zu machen und mit gutem Beispiel voranzugehen. Es liegt ja in der Hand der Gemeinden, auch Gemeindeflächen, Straßenränder, Verkehrsinseln und Plätze nachhaltig zu begrünen anstatt nur langweiliges Allerweltsgrün kurz und klein zu halten. Da hätten dann alle was davon, nicht nur die Bienen.

Abgesehen davon sollten die Ordnungsämter einfach mal ihre eigenen Erlasse lesen, beachten und durchsetzen. Schon vor 20 Jahren stand in meiner Bauverordnung, dass ich regionale Gehölze in meinen Garten pflanzen muss, aber bitte keinen Contoneaster, weil er Wirtspflanze für den gefährlichen Feuerbrand ist. Wer mitten im Kirschanbaugebiet baut, hat dafür sicher Verständnis. Nur meine Nachbarn nicht. Sie waren damals selbst noch Kirschbauern, pflanzten trotzdem einen ganzen Hang voll Contoneaster. Und was sagen Gemeindeverwaltung und Ordnungsamt dazu? Leider nichts! Außer: Kirschbauern dürfen bei uns alles. Dabei müssten gerade sie es besser wissen. Eine Schande!

Retten Sie Bienen. Pflanzen Sie bienenfreundliche Pflanzen.

Während alle Fehlen der Bienen beklagen, summt und brummt es in meinem Garten spätestens ab Februar und Endet im Spätherbst. Warum? Weil in meinem Garten immer irgendetwas blüht, was Bienen und andere Insekten mögen. Echter Winterjasmin, Schneeglöckchen und Krokusse machen den Anfang, Astern, Chrysanthemen und Christrosen beenden das Gartenjahr im November oder Dezember. Danach sind die Bienen im Bienenstock und Insekten überwintern zwischen den Staudenresten. Das große Aufräumen fängt im naturnahen, insektenfreundlichen Garten erst im zeitigen Frühling an.

Frühlingserwachen mit Jasmin

Frühlingserwachen mit Jasmin

Ein bienenfreundlicher Garten ist von Natur aus pflegeleicht

Das Beste an einem bienenfreundlichen Garten ist: er macht keine Arbeit. Insektennährgehölze und -bäume wie Kornelkirsche, Apfeldorn, Liguster, Hibiskus, Duftschneeball, Schneebeere, Berberitze, Weide, Weigelia, Sommerflieder oder Eberesche blühen von ganz alleine und brauchen, sobald sie einmal angewachsen sind, keine zusätzlichen Wassergaben. Alle diese Bäume und Sträucher sind gut für Bienen und für Vögel. Die regionale Baumschule kennt und empfiehlt Ihnen sicher noch mehr Insekten- und Vogelnährgehölze für Ihren (kleinen) Garten.

Bienenfreundliche Stauden – Freude für alle

Bienenfreundliche Stauden wie beispielsweise Katzenminze, Lavendel, Bartblume, Fetthenne, Thymian, Steinquendel, Spornblume oder Prachtkerze blühen über viele Wochen hinweg. Sie müssen dafür noch nicht einmal gegossen werden. Ganz im Gegenteil. Sie lieben Sonne und Hitze und sind trotzdem das ganze Jahr über attraktiv. Pflanzen Sie diese Stauden und schauen Sie ihnen beim Wachsen zu. Und freuen sich über summende Bienen. Sind Sie dabei?

So geht Bienen retten in 10 Schritten.

  1. Entfernen Sie Schotter und Kies aus dem Garten.
  2. Verwenden Sie kein Unkrautvlies. Es nützt auf Dauer nichts, ist teuer und am Ende nur Plastikmüll.
  3. Pflanzen Sie bienenfreundliche Gehölze, Stauden und Sommerblumen.
  4. Bevorzugen Sie heimische Pflanzen.
  5. Bevorzugen Sie Pflanzen mit ungefüllten Blüten. Gefüllte Blüten sind zwar oft hübsch, halten jedoch für Insekten weder Pollen noch Nektar bereit.
  6. Achten Sie bei der Auswahl an Pflanzen darauf, dass jeden Monat etwas blüht. Es sei denn, es liegt Schnee. Karl Försters Motto “Es wird durchgeblüht!” gilt und ist für Garten- und Bienenfreunde gar nicht so schwer umzusetzen.
  7. Verwenden Sie keine Herbizide und keine Pestizide. Auf gar keinen Fall! Hacke genügt und gegen Unkraut in Pflasterfugen hilft dieser Tipp.
  8. Wenn Sie genügend Platz haben: Säen Sie einen Blühstreifen mit einjährigen oder mehrjährigen Sommerblumen und Stauden.
  9. Räumen Sie den Garten erst im zeitigen Frühjahr auf. So haben Insekten ein Winterquartier und Vögel genügend Nahrung. Weitere Tipps, wie der naturnahe Garten winterfest wird, lesen Sie nebenan.
  10. Stellen Sie täglich frisches Wasser im Garten für Vögel und Insekten bereit. Ein einfacher Suppenteller genügt.

 

Fiona Amann

Fiona Amann ist Werbetexterin, Bloggerin, Produktfotografin, Blumenfotografin und gärtnert leidenschaftlich gerne. In ihrem Gartenblog "Wo Blumenbilder wachsen" teilt sie Gartenwissen aus vier Jahrzehnten, stellt Lieblingspflanzen und ihre Pflege vor, verrät die Lieblingsrezepte ihrer Familie und Rezepte aus ihrer Landküche und stellt, wenn sie zum Thema passen, lohnenswerte Gartengeräte, Koch - und Gartenbücher vor.

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