Fugengrün wächst von alleine, wenn man es lässt. Aber genau das scheint für manche ein Problem zu sein. Was einfach so auftaucht muss wohl „Unkraut“ sein. NEIN, ist es eben nicht! Nicht alles, was ungefragt zwischen Pflastersteinen wächst, muss weg.

Woher kommt Fugengrün?

Fugengrün sind Pflanzen, die sich ihren Standort selbst auserkoren haben. Ihre Mutterpflanze blüht in der Nähe ganz normal im Blumenbeet. Werden ihre Samen reif, fliegen davon und finden so ihren Platz in einer Pflasterfuge. So sorgt die Natur selbst für den Fortbestand der Art. Das ist wunderbar!

Veilchen vor einer Stufe. Fugengrün im Schatten.

Veilchen vor einer Stufe. Fugengrün im Schatten.

Guck mal was da wächst

Für mich ist jedes Jahr aufs Neue spannend, frisches Grün zwischen den Pflastersteinen zu entdecken.
Oberstes Gebot: Nicht zupfen, sondern abwarten!
Sobald die Sämlinge größer geworden sind, erkenne ich sie zumeist am Blatt.

Fugengrün erkennen: Bücher, Tools & Tipps

Gute Bestimmungsbücher sind meine liebsten und besten Informationsquellen.

  • Der Klassiker im Buchregal heißt „Pflanzen und Tiere Europas“ von Harry Garms. Ein großartiges Taschenbuch, doch leider vergriffen und leider ist die Schrift für mich inzwischen zu klein.
  • „Die Pflanzen Mitteleuropas“ aus dem Verlag blv zeigt 1500 Arten und punktet mit detaillierten Zeichnungen und informativen kurzen Texten.
    Wer neugierig ist und wissen will, was da wächst und blüht, findet in diesen Standardwerken garantiert wissenschaftlich fundierte Antworten.
  • Weniger fundiert, aber durchaus nützlich in vielen Fällen sind Bestimmungs-Apps für Pflanzen. Es sind Datenbanken und sie liefern natürlich nur dann eine Antwort, wenn die Pflanze im System ist. Anders als in zuvor genannten Büchern, gibt es keine Illustrationen, sondern Pflanzenfotos. Der Anwender macht mit dem Handy selbst ein Foto, lädt es hoch und die Datenbank vergleicht dieses mit den hinterlegten Fotos. Nicht immer liegen die Apps richtig, auch sie können nicht alles wissen.
  • Google Bildersuche + KI helfen ebenfalls. Zumindest bekommen Sie eine leise Ahnung, was da vielleicht auch bei Ihnen wächst.
  • Nebenan zeige ich Sämlinge von Pflanzen, die in meinem Garten jedes Jahr aufs Neue auftauchen. Schauen Sie sich gerne um.

Sammeln Sie eigene Erfahrungen: Schauen Sie genau hin, beobachten Sie, wo wächst die Pflanze genau? Im Schatten, in der prallen Sonne? Gibt’s nebenan eine Pflanze, die ähnlich aussieht?
Erst Sämlinge erkennen, dann entscheiden, ob sie bleiben dürfen oder nicht.

Mein schönstes Fugengrün

Linaria, Italienisches Leinkraut, blühendes Fugengrün in der Sonne

Linaria, Italienisches Leinkraut, blühendes Fugengrün in der Sonne. Dahinter wallt Zimbelkraut einen Blumentopf hinunter. Ungefragt und sehr willkommen.

  • Italienisches Leinkraut, Linaria purpurea ist sehr vermehrungsfreudig. Sämlinge kann man gut versetzen, ältere Pflanzen eher nicht. Daher lasse ich Linaria gerne auch am Rand des Weges im Pflaster wachsen. Stört nicht, braucht keinerlei Pflege, geschweige denn Wasser, blüht sehr hübsch und ist attraktiv für Bienen.
  • Brunnera, Kaukasusvergissmeinnicht ist kein typischer Vertreter von Fugengrün, dennoch macht sich auch diese schöne Staude vor einer Stufe breit. Großartig.
Kaukasus-Vergissmeinnicht, Brunnera wächst im Pflaster vor einer Stufe

Kaukasus-Vergissmeinnicht, Brunnera wächst zusammen mit Teppichsedum im Pflaster vor einer Stufe

  • Die kleine, zarte Pfirsichblättrige Glockenblume, Campanula ist überaus vermehrungsfreudig und zäh zugleich. Keine Fuge zu eng oder zu trocken. Einfach wunderbar.
  • Duftsteinrich, Lobularia Alyssum ist ein Superheld. Die einjährige Pflanze erhält sich durch Selbstaussaat im Garten und wächst dort in Beeten und Blumenkästen aber auch in Pflasterfugen. Sehr hübsch. Bienen und Schmetterlinge lieben Duftsteinrich.

 

Fugengrün mit Duft: Duftsteinrich

Fugengrün mit Duft: Duftsteinrich gedeiht in voller Sonne im Weg vor einer Stufe

  • Lavendel kann auch Fuge und wo sich Lavendel einmal niedergelassen hat, will er auch nicht mehr weg. Muss ich akzeptieren und eben schneiden, um nicht zu stolpern.
  • Patagonisches Eisenkraut setzt man einmal in den Garten und lässt sie nach der Blüte einfach stehen. Es versamt sich von alleine, aber die Sämlinge kommen erst spät und werden schnell übersehen – oder gejätet. Dabei sind ihre kantigen, rauen Triebe im Mai sehr markant.
  • Katzenminze sollte man mit Vorsicht genießen. Einmal im Garten und man wird es nie wieder los. Was schön ist für Bienen. Katzenminze hat enorm lange Wurzeln und wächst daher überall.
  • Saat-Wucherblumen waren früher per Gesetz verboten, weil sie sich in Äckern breit machten. Heute sind sie Teil von Blumenmischungen für Straßengrün und Blühstreifen. Gut so. Im Garten wachsen diese Bienenweiden auf mageren, kargen, trockenen Böden und eben auch in Pflasterfugen.
Polster-Thymian Würzkraut in der Fuge

Polster-Thymian Würz- und Heilkraut in der Fuge. Sehr praktisch, wenn es in der Nähe der Küche wächst.

  • Bei Steinkraut, Alyssum ist der Name Programm. Seine silbergrünen Blätter zeigen auf den ersten Blick, dass es Hitze und Trockenheit kann und gemacht ist für extreme Standorte.
  • Sedum, Teppich-Sedum bleibt nicht in den Beeten, sondern wandert gerne auch in Pflasterfugen. Der wüchsige Bodendecker ist ein perfekter Kantenschmeichler. Überwächst Schotterstreifen und alles andere auch.
  • Schwarzäugige Susanne, Thunbergia kann auch Fuge. Die einjährige Kletterpflanze bildet im Laufe des Sommers immer neue grundständige Triebe, die sich ihren Weg durch Beete und Fugen bahnen. Einfach machen lassen. Nächstes Jahr erscheinen dort Sämlinge von ganz alleine.
  • Thymian, genauer gesagt Teppich-Thymian ist ein wunderbarer Bodendecker, Würzkraut, Heilmittel gegen Blattläuse und es vergrämt Schnecken. Je mehr Thymian am Wegesrand und in den Pflasterfugen, desto besser.
Walzen-Wolfsmilch Euphorbia. Äußerst robuste Staude für extreme Standorte

Walzen-Wolfsmilch Euphorbia. Äußerst robuste Staude für extreme Standorte

  • Walzen-Wolfsmilch, Euphorbia gedeiht in praller Sonne und in Nichts: Fuge, Schotter, Pflaster alles ist gut genug für diese starke Staude.
  • Veilchen sind wesentlich härter, als sie erscheinen und sie vermehren sich überall. In den Beeten und eben auch im Pflaster.
  • Zimbelkraut muss man lieben. Der winzige Bodendecker wächst in Pflaster- und Mauerfugen. Hängt an Blumentöpfen und Holztrögen und klettert Stufen hinauf. Einmal im Garten taucht es in späteren Jahren an den erstaunlichsten Stellen wieder auf. Zart gebaut aber unverwüstlich.
Zimbelkraut wächst auch in Pflasterfugen

Winziger Bodendecker Mauerzimbelkraut, Cymbalaria muralis, Mauerblümchen

Fugengrün lassen oder weg damit?

Wo Fugengrün wächst und nicht weiter stört, sollte man es auch lassen. Die Pflanzen bereichern den Garten, sind gut für die Artenvielfalt, nähren Insekten, kosten nichts und brauchen keinerlei Pflege. Was will ich mehr?
Ich entferne Fugengrün nur wenn es zur Stolperfalle wird.

Und wie halten Sie es mit den geschenkten Pflanzen? Kommentieren Sie gerne.

Fiona

Fiona Amann ist Werbetexterin, Bloggerin, Blumenfotografin und gärtnert leidenschaftlich gerne. Im Gartenblog "Wo Blumenbilder wachsen" teilt sie Gartenwissen aus über 4 Jahrzehnten stellt Lieblingspflanzen & ihre Pflege vor. Außerdem: Lieblingsrezepte aus ihrer Landküche.