Ich liebe Pflanzkübel. Im Sommer verwandeln halbierte Holzfässer, eine kaschierte Mörtelwanne, große und kleine Blumentöpfe aus Kunststoff und Ton meine Terrassen in lauschig begrünte Gartenzimmer. Um neugierige Blicke von Nachbarn und Passanten abzuhalten, gestalte ich auch Sichtschutzwände im Pflanzkübel. Das klappt recht gut mit Trichter- und Sternwinden, mit der Schwarzäugigen Susanne an Obelisken und selbst gebauten Kletter- und Rankhilfen aus Bambus. So weit, so gut. Dumm nur, dass der Sommer nur so kurz und ich lange Zeit des Jahres auf diesen natürlich gewachsenen Sichtschutz verzichten musste. Bis mir endlich der unsichtbare Pflanzkübel eingefallen ist. Seither grünt es bereits ab März / April an gespannten Stahlseilen vor den Terrassen bzw. an den Holzpfosten. Der schöne Sichtschutz mit Kletterpflanzen am Haus hält so bis zum Frost – und darüber hinaus.

Der unsichtbare Pflanzkübel ist kostenlos, winterfest und spart Platz.

Sobald Sie eine mehrjährige Pflanze in einen Pflanzkübel setzen, bekommen Sie zu Beginn des Winters ein Problem: Wie verpacken Sie den Wurzelbereich so, dass er nicht durchfrieren, aber gleichzeitig nicht austrocknen kann? Pflanzen verdursten im Winter bekanntlich schneller, als sie erfrieren. Gleichzeitig stehen Pflanzkübel an den Ecken, Pfosten und Laufstraßen einer Terrasse schnell mal im Weg. Doch genau dort sollen robuste, pflegeleichte und zugleich schöne Kletterpflanzen wachsen.

Akebie umarmt Holzpfosten an der kleinen Südterrasse

Eine junge Akebie / Klettergurke / Schokoladenwein umarmt ihren Holzpfosten nebst Regenfallrohr an der kleinen Südwest-Terrasse. Das Drahtseil darunter ist schon jetzt nicht mehr zu sehen. Blauer Lein wächst davor im selben Pflanzloch.

Gehölze im Pflanzkübel sind immer nur eine Lösung auf Zeit.

Egal ob Pfeifenwinde, Kletterrose, Schokoladenwein (Akebie) oder Klettertrompete Campsis: Alle Kletterpflanzen wurzeln gerne tief. Selbst ein Pflanzkübel mit 40 oder 60 Liter Fassungsvermögen bietet selten die Tiefe, die kletternde, mehrjährige Gehölze bevorzugen. Das macht sie nicht nur schnell durstig, sondern auch anfällig für Krankheiten. Und sie wachsen im Pflanzkübel weitaus schlechter und langsamer, als in gewachsener Gartenerde. Deswegen sollte man Gehölze in Pflanzkübeln etwa alle drei Jahre aus ihrem Kübel nehmen, die Wurzeln vorsichtig beschneiden und danach in frische Kübelpflanzenerde pflanzen. Eine Prozedur, die bei Kletterpflanzen schwierig bis unmöglich ist. Deswegen mein Tipp:

Pflanzen Sie auch Kletterpflanzen am Haus am besten direkt in den Boden.

Der unsichtbare Pflanzkübel ist die perfekte Lösung für gepflasterte Terrassen, Höfe, Hauseingänge oder Einfahrten. Entfernen Sie zunächst an der gewünschten Stelle so viele Pflastersteine, wie Ihre Kletterpflanze unten herum an Platz benötigt. Mehr als 40 – 60 cm im Quadrat müssen gar nicht weg, denn am Wurzelhals sind und bleiben ja alle Kletterpflanzen eher schmal. Entfernen Sie nun Split und Schotter soweit und so tief Sie mit der Hand und einer Handschaufel kommen. Ideal ist ein Pflanzloch mit 60-80 cm Tiefe. Das Beste: Wo vorher ordentlich gepflastert wurde, ist mit Staunässe nicht zu rechnen.

Die Kür: Eine Einfassung fürs Pflanzloch aus Eisen oder Beton.

Falls Sie nun befürchten, das Pflanzloch und die umliegenden Pflastersteine werden durch diese Aktion instabil, entfernen Sie eine weitere Reihe Pflastersteine und lassen Sie den Split darunter jedoch unberührt. Rühren Sie ein wenig Beton an und befestigen Sie die Kante der einfassenden Pflastersteine mit einem soliden Betonkeil. Sobald das Pflanzloch aufgefüllt ist, hält alles wieder bombenfest.

Bildschöne Einfassungen für das Pflanzloch im Pflaster liefert außerdem der (regionale) Metallhandwerker. Nützlich und schön sind auch halbrunde Eisenrankgitter für die Montage an Hausecken oder rund um Regenfallrohre.

Sparen Sie bei Kletterpflanzen am Haus nie am Pflanzsubstrat.

Sobald das Pflanzloch bzw. der unsichtbare Pflanzkübel vorbereitet ist, geht’s ans Pflanzen. Verwenden Sie dazu die beste Pflanzerde, die Sie bekommen können. Also bitte keine billige Blumenerde vom Baumarkt, sondern ordentlich vorgedüngte und stabile Kübelpflanzen- oder Pflanzerde.

Auf die Qualität der Kletterpflanzen kommt es an.

Natürlich achten Sie auch auf beim Kauf auch sehr gute Qualität der Kletterpflanzen. Schließlich soll die ganze Mühe nicht umsonst sein. Lassen Sie sich in einer regionalen Baumschule beraten, gerade was Standort, Lage und die gewünschte Kletterpflanze angeht. Seien Sie jedoch versichert: Für jeden Standort gibt es schöne robuste Kletterpflanzen, die auch direkt beim Haus hervorragend wachsen werden: In einem unsichtbaren Pflanzkübel und in natürlich gewachsenem Boden. Das klappt sogar mit überpflasterten Pflanzscheiben – sofern Sie Ihre Kletterpflanze stets ausreichend wässern und regelmäßig düngen.

Woran klettern, winden oder ranken Kletterpflanzen am Haus?

Welches Rankgerüst, Kletterhilfe oder Seilsystem für Ihr Projekt infrage kommt, hängt von der gewünschten Kletterpflanze und auf die Bauweise des Hauses an. An Stein-auf-Stein-Häusern können Sie alle erdenklichen Rankgerüste aus Holz oder Metall sicher fixieren. Anders sieht es bei Häusern mit Vollwärmeschutzdämmung aus. Dort kommt praktisch nur ein Seilsystem infrage, das zwischen Dachtraufe und Boden gespannt und fest verankert wird. Gleiches gilt für frei stehende Sichtschutzwände auf Terrassen oder vor Hauseingängen. Die gute Nachricht dabei ist: Das frei montierte Seilsystem für Kletterpflanzen am Haus ist viel leichter und schneller montiert, als es in der Theorie jetzt vielleicht klingt. Wer sich auf einer Leiter sicher fühlt und mit Bohrmaschine und Schraubendreher umgehen kann, kriegt das sicher hin.
Gleiches gilt natürlich auch, wenn Sie nur einen einzelnen Pfosten mit einem senkrechten Stahlseil bestücken möchten. Das Seil bietet einer kletterlustige kleinblättrige Pfeifenwinde, die schon im ersten Standjahr drei Meter erreichen kann, vom Fleck weg sicheren Halt.

Zusammenfassung Kletterpflanzen am Haus.

Worauf kommt bei Kletterpflanzen am Haus wirklich an?

Nicht die Breite des Pflanzlochs ist entscheidend, sondern dessen Tiefe. Graben Sie ein 60 – 80 cm tiefes Pflanzloch und füllen Sie es mit bestem Pflanzsubstrat / Kübelpflanzerde auf.

Wie werden Kletterpflanzen direkt am Haus richtig gepflegt?

Pflegen Sie Ihre Kletterpflanze so, wie andere Gehölze und Kletterpflanzen auch: Wässern Sie durchdringend bei Trockenheit, düngen Sie die Kletterpflanze zweimal im Jahr (März + Juni). Die meisten Kletterpflanzen freuen sich über eine Schaufel reifen Kompost im Herbst oder im zeitigen Frühling. Und mit einer Gabe Patentkali (Herbstdünger) Ende August helfen Sie dem Gehölz, noch rechtzeitig vor dem Winter richtig auszureifen. Die Triebe verholzen besser und halten dadurch Fröste besser aus.

Wie schnell klettern Kletterpflanzen?

Manche Kletterpflanzen brauchen 2-3 Jahre, um richtig Fuß zu fassen.

  • Die Großblättrige Pfeifenwinde (Aristolochia macrophylla) wächst beispielsweise mit ihren Wurzeln erst nach unten, um danach oben rasant aufzuholen. Je tiefer die Wurzeln reichen, desto besser ist es schließlich für die Pflanze. Das dichte, großblättrige Blätterkleid muss schließlich auch in heißen Sommern ernährt und erhalten werden. Sehenswert ist die Pfeifenwinde immer, aber ihr buntes Blätterkleid im Herbst gefällt mir besonders gut.

    Kletterpflanzen am Haus: Buntes Herbstkleid eine Großen Pfeifenwinde

    Buntes Herbstkleid der großblättigen Pfeifenwinde

  • Die Kleinblättrige Pfeifenwinde (Aristolochia tomentosa) wächst deutlich schneller als Aristolochia macrophylla. Meine hat bereits im ersten Sommer stattliche 3 Meter erreicht. Und erobert jetzt das nächste, quer gespannte Seil an der Dachtraufe entlang. Ihr Habitus wirkt dabei immer noch sehr zierlich. An windigen Ecken ist die Kleinblättrige Pfeifenwinde ihrer Schwester mit den großen Blättern sehr überlegen.

    Kleine Pfeifenwinde am Holzpfosten an der Terrasse. Aristolochia tomentosa

    Kleine Pfeifenwinde am Holzpfosten an der Terrasse. Aristolochia tomentosa

  • Die Klettertrompete (Campsis) braucht einen geschützten, vollsonnigen, warmen Platz und drei, vier Jahre, um die Zwei-Meter-Marke zu erreichen. Ist doch schön, wenn man Pflanzen beim Wachsen zusehen kann.Kletterpflanze Campsis
  • Die Akebie, der Schokoladenwein oder auch Klettergurke brauchte vom Boden bis zum Terrassendach (3 Meter) zwei Jahre und ist jetzt schon einen Meter weiter. Dabei windet sie sich gleichzeitig um einen Holzpfosten und ein daneben stehendes Regenfallrohr. (Siehe Bild oben)
  • Viele Kletterrosen brauchen gut vier bis fünf Jahre, um richtig Fahrt aufzunehmen. Das ist sortenabhängig und hängt auch vom Schnitt ab. Seien Sie geduldig. Auch Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Nur zur Sicherheit lesen Sie vielleicht noch nebenan meinen Erfahrungsbericht mit Kletterrose James Calwey.

James Galway blüht auf!

 

  • Clematis wachsen und entwickeln sich je nach Sorte höchst unterschiedlich. Viele großblumige Clematis-Hybriden erreichen schon im ersten oder zweiten Standjahr ihre vorgesehene Wuchshöhe von meist unter zwei Metern. Sehr viel wuchsfreudiger und robuster sind dagegen Clematis Montana-Sorten wie beispielsweise Nelly Moser. Sie kann bereits im zweiten Jahr die 4-Meter-Marke überwinden und blüht dazu im Mai im schönsten Rosa. Clematis Montana-Sorten haben den großen Vorteil, dass Sie nicht jedes Jahr auf 30 cm zurück geschnitten werden, sondern einfach weiter wachsen dürfen. Ein Rückschnitt findet nur bei Bedarf statt, beispielsweise am Ende der Kletterhilfe.

 

Kletterpflanze Clematis wächst auch direkt am Haus
Ein Klassiker unter den Clematis: Jackmanii, blüht gerne im Herbst ein zweites mal.

 

Einjährige Kletterpflanzen sind deutlich schneller am Ziel. Dennoch würde ich davon abraten, beispielsweise eine Trichterwinde zusammen mit einer Pfeifenwinde ans gleiche Seil zu setzen. Die Trichterwinde überwuchert nämlich alles und das gefällt der Pfeifenwinde nur bedingt. Haben Sie Geduld! Oder setzen Sie die einjährige Trichterwinde an eine eigene Kletterhilfe.

Achtung: Bei den genannten Höhen und Wuchszeiten handelt es sich um individuelle Erfahrungswerte, die ich in meinem Garten gesammelt habe. Bitte nageln Sie mich nicht darauf fest. In Ihrem Garten wachsen Ihre Kletterpflanzen vielleicht viel schneller.

Kann man Kletterpflanzen am Haus auch unterpflanzen? Wenn ja, worauf sollte ich achten?

Ja, Sie können Kletterpflanzen am Haus auch sehr hübsch unterpflanzen. Bevorzugen Sie dabei jedoch Flachwurzler und robuste Bodendeckerstauden, die keine echte Konkurrenz für die Kletterpflanze sind und keinen Wurzeldruck auf diese ausüben. Beispielsweise Mini-Hostas, niedriges Teppichsedum, kleine Storchschnäbel (Geranium), Thymian oder auch Teppichastern. Die genannten Stauden sehen nicht nur hübsch aus, sondern halten die Fläche rund um das Pflanzloch sauber. Die Erde wird nicht bei jedem Regenguss oder Gießen abgeschwemmt.

Pfeifenwinde wächst am Fuß eines Holzpfostens

Mini-Hosta zu Füßen einer Kleinblättrigen Pfeifenwinde. Die Kletterpflanze am Haus wächst direkt im Boden im unsichtbaren Pflanzkübel.

Welche Kletterpflanzen am Haus kommen für einen halbschattigen bis schattigen Standort infrage?

  • Pfeifenwinden, wobei Pfeifenwinden auch gut mit Südlagen zurechtkommen, solange ihnen ausreichend Wasser zur Verfügung steht.
  • Kletterhortensie, der Selbstklimmer hat Haftwurzeln, beschädigt jedoch bestehende Bausubstanz nicht, solange diese in Ordnung ist.
  • Einige Sorten Clematis: Clematis montana, Clematis atragene, Clematis viticella, Clematis vitalba, Clematis orientalis.
  • Efeu, wobei dieser Selbstklimmer mit Haftwurzeln sehr mit Vorsicht zu genießen ist. Er ist in der Lage Mauern und Putz zu beschädigen und wo er einmal wächst, bringt man ihn kaum noch weg.
  • Wilder Wein, sehr pflegeleichter Selbstklimmer mit Haftwurzeln, die die Bausubstanz nicht beschädigen. Tolles Herbstkleid, sehr robust.
  • Geißblatt, Jelängerjelieber, (Lonicera), ideal für Halbschatten, einige Sorten duften und blühen sogar zweimal im Jahr. Außreichend Platz zum Klettern (Wuchern) sollte für diese Kletterpflanze allerdings vorhanden sein. Jelängerjelieber ist sein Programm, es gibt inzwischen aber auch gezähmte Sorten mit sehr hübschen Blüten.

Welche Kletterpflanzen wachsen an sonnigen Südfassaden?

  • Klettertrompeten, einige Sorten sind Selbstklimmer mit Haftwurzeln. Ein stabiles Seilsystem oder Rankgerüst ist für diese imposanten Klettertrompeten dennoch ein Muss.
  • Blauregen (Glycinie), bevorzugen Sie da am besten den Mini-Blauregen (Wisteria frutescens) Amethyst Fall oder Langwood Purple, bevor Sie sich über Bauschäden ärgern. Der Chinesische Blauregen (Wisteria sinensis) hat enorme Wuchskraft und zerquetscht auch mal Regenfallrohre.
  • Weinreben, leider etwas pflege- und schnittintensiv. Aber immerhin werden Sie mit eigenem Wein belohnt.
  • Spalierobst: Birnen, Äpfel, Quitten, Kiwis, Feigen … die Liste der Spalierobstsorten, die dicht an Fassaden wachsen können ist lang und abwechslungsreich. Wer sich mit ihnen beschäftigen möchte, muss Geduld mitbringen und sich mit Schnitttechniken beschäftigen und stets am Ball bleiben. Ein schöner, für manche auch beglückender Zeitvertreib. Frisches Obst gibt’s gratis dazu.

Welche Kletterpflanzen wachsen an Ost- oder Westfassaden

  • Kletterrosen, wobei stauende Wärme nicht so gut vertragen wird und vermehrt zu Pilzerkrankungen, beispielsweise Mehltau führen kann. Kletterrosen bevorzugen einen luftigen Standort ohne pralle Mittagssonne.
  • Akebie (Akebia quinata), Schokoladenwein, Fingerblättrige Klettergurke, Blaugurkenwein. Die Kletterpflanze etabliert sich erstaunlich schnell, behält ihr filigranes Laub im Herbst sehr lange, blüht hübsch, auch wenn die Blüten eher winzig sind. Sie braucht wenig Pflege und Schnitt, nur wenn sie irgendwo stört.

Noch Fragen zu Kletterpflanzen am Haus? Bitte Kommentieren Sie!

Fiona Amann

Fiona Amann ist Werbetexterin, Bloggerin, Blumenfotografin und gärtnert leidenschaftlich gerne. In ihrem Gartenblog "Wo Blumenbilder wachsen" teilt sie Gartenwissen aus vier Jahrzehnten, stellt Lieblingspflanzen und ihre Pflege vor, verrät die Lieblingsrezepte ihrer Familie und Rezepte aus ihrer Landküche und stellt, wenn sie zum Thema passen, lohnenswerte Gartengeräte, Koch - und Gartenbücher vor.

Der Blumenbote. Newsletterservice von Nature to Print

Der Blumenbote

Blumenbilder, Bücher und Praxis-Tipps für Gartenfreunde

Vielen Dank, Ihre Anmeldung hat geklappt.

Pin It on Pinterest

Share This