Warum Kaltkeimer säen?

Viele Kaltkeimer gehören zu den langlebigen Stauden, die sich in unserem Klima wohl fühlen. Sie kommen mit kalten Wintern zurecht und mit Hitze. Einmal im Garten etabliert ist ihre Pflege zumeist einfach. Zudem vermehren sich Kaltkeimer gerne selbst, wenn der Standort stimmt. Gute Gründe, Kaltkeimer zu säen und so vermehrt in den Garten zu holen. Denn das Saatgut kostet nicht die Welt, aber die Chance, dadurch Blumenbeete mit vielen neuen Pflanzen zu bestücken, ist denkbar hoch – und für ambitionierte Gartenfreunde sehr verlockend.

33 schöne Kaltkeimer | Video

 

Was sind Kaltkeimer?

Kaltkeimer, früher Frostkeimer genannt, sind Pflanzen, deren Samen zum Keimen einen Kältereiz benötigen. Sie stammen aus Regionen mit kalten, frostigen Wintern und heißen Sommern – wie bei uns. Ihre Samen werden zwar im Sommer und im Herbst reif, keimen jedoch noch nicht, sondern warten ab. Sie enthalten ein hemmendes Hormon, das das vorzeitige Keimen verhindert.

Erst wenn diese „Keimschranke“ im Winter durch Kälte / Frost abgebaut worden ist, Frühling in Sicht ist und keine allzu tiefen Temperaturen mehr zu erwarten sind, geht die Saat der Kaltkeimer auf. Mutter Natur hat sich das ausgedacht, um Sämlinge zu schützen. Würden sie bereits im Spätherbst keimen, kämen sie nicht heil durch den Winter. Also besser abwarten und dann im März so richtig loslegen. Klappt wunderbar!

Kaltkeimer säen: Bergenien sind großartige Bodendecker und Blattschmuckpflanzen.

Warum Kaltkeimer säen? Weil beispielsweise Bergenien großartige Bodendecker für Baumscheiben sind. Je mehr Bergenien, desto besser.

Kaltkeimer säen: Welche Aussaat-Temperatur für wie lange?

Das ist von Pflanze zu Pflanze recht unterschiedlich. Null bis fünf Grad über sechs bis acht Wochen sind gute Richtwerte für viele Arten. Es muss also nicht unbedingt frieren, damit das hemmende Pflanzenhormon abgebaut wird. Bei uns typische Wintertemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt genügen bereits.

Welche Blumen sind Kaltkeimer?

Zum Beispiel:

Lavendelsämling im Mulchbeet

Lavendelsämling im Frühling. Kaltkeimer säen im Mulchbeet.

Clematis Königskind, die Staude ist ein Kaltkeimer

Clematis Königskind, auch Waldreben sind Kaltkeimer

Kaltkeimer säen: Was ist wichtig bei der Aussaat?

Welcher Aussaattermin, ob Frühling oder im Herbst, steht auf jeder Samentüte. Auch Besonderheiten zur Temperatur bei der Aussaat und danach steht auf dem Etikett. Beherzigen Sie die Angaben, sonst klappt es mit dem Keimen nicht oder die Sämlinge fallen nach dem Auflaufen einfach um.

Kaltkeimer säen im Herbst

Säen Sie Kaltkeimer von Oktober bis November in eine Saatschale mit Aussaaterde und stellen sie die Schale entweder in ein Frühbeet, in eine halbdurchsichtige Aufbewahrungsbox mit Deckel, ins Gewächshaus oder graben Sie die Schale in ein Blumenbeet. Ein überdachter Platz auf der Terrasse ohne Wintersonne ist auch möglich.

Achtung: Das Saatgut darf weder austrocknen, noch ertrinken.

Stecken Sie ein Pflanzenetikett dazu, damit Sie im Frühling wissen, was genau da aufgelaufen ist.

Sie können die Aussaatschale auch für einige Wochen in einem Gefrierbeutel in den Kühlschrank stellen, aber dort nimmt sie nur Platz weg. Es ist weitaus sinnvoller, die natürliche Kraft des Winters zu nutzen.

Oder sie legen die Samentüte für einige Wochen in den Kühlschrank. Anschließend muss das Saatgut noch 1-2 Tage in warmen Wasser quellen, sonst keimt es nicht.

Kaltkeimer säen im Frühling

Auch das ist möglich. Der Saatguthandel bietet dazu vorbehandeltes, sogenanntes stratifiziertes Saatgut an. Beachten Sie auch hier unbedingt die Anleitung auf der Samentüte.
Die Aussaat von stratifizierten Samen gelingt meist so einfach wie das Vorziehen anderer Sommerblumen.

Akeleien säen gelingt mit stratifiziertem Saatgut auch im Frühling

Akeleien säen gelingt mit stratifiziertem Saatgut auch im Frühling, aber die Keimtemperatur ist vergleichsweise niedrig (15-20 Grad).

Direktsaat oder Kaltkeimer vorziehen: Was ist besser?

Das kommt ganz auf die Pflanze an:

  • Mohn, egal ob Kalifornischer Goldmohn, Schlafmohn oder Klatschmohn, lässt sich nur schlecht versetzen und sollte deswegen besser direkt an Ort und Stelle ins Beet gesät werden. Säen Sie Mohn schon ab Spätherbst bis Februar. Frost schadet nicht, Trockenheit schon. Einmal im Garten erhält sich Mohn selbst im Garten. Dazu müssen Sie allerdings einige Samenkapseln bis zu deren Reifen stehenlassen.
  • Vermehren Sie Lavendel einfach in einem Mulchbeet. Versetzen Sie Lavendel-Sämlinge, wenn nötig und erwünscht, im Frühling zügig.
  • Die Flammenblume / Phlox vermehrt sich sehr gerne, aber ihre Sämlinge sind nach der Mendelschen Vererbungslehre immer ein genetischer Mix. Wenn Sie Phlox sortensicher vermehren möchten, sollten Sie die Mutterpflanze teilen oder frisches, sortenreines Saatgut im Handel besorgen.
  • Patagonisches Eisenkraut erhält sich selbst im Garten, allerdings erscheinen die Sämlinge erst ab Mai. Man erkennt sie gut an ihren rauen, dunkelgrünen Blättern und kantigen Stängeln.
  • Hundszahn /Forellenlilie lässt sich wesentlich einfacher durch Tochterzwiebeln oder Teilen der Mutterzwiebeln vermehren. Von der Aussaat bis zur ersten blühenden Pflanze vergehen fünf Jahre.
  • Lassen Sie Wildtulpen nach der Blüte einfach in Ruhe, sie verwildern zuverlässig von ganz alleine.
  • Vergissmeinnicht und Waldmeister vermehren sich von ganz alleine – oft mehr, als einem lieb ist.
  • Veilchen sind Vagabunden im Garten. Einmal gepflanzt oder gesät und etabliert, säen sie sich selbst überall aus. Ameisen sorgen zusätzlich für die Verbreitung der Samen. Besonders praktisch ist dies bei Pfingstveilchen, weil sie Unkraut zuverlässig unterdrücken. Hornveilchen können Sie mit dieser Methode auch gezielt an Ort und Stelle vermehren.
Veilchen sind Kaltkeimer und sehr vermehrungsfreudig

Veilchen sind Kaltkeimer und sehr vermehrungsfreudig

Meiner Erfahrung nach gedeihen viele Blumen dort am besten, wo sie von selbst aufgehen und nach dem Keimen nicht versetzt werden. Jedes Versetzen birgt Risiken. Verletzte Feinwurzeln, gekappte Pfahlwurzeln und der Standortwechsel können dazu führen, dass das Wachstum stockt.

In diesem Sinn: Viel Freude und Erfolg mit Kaltkeimern und ihrer Aussaat.