Gibt es besondere Pflanzen für Senioren und wenn ja, was zeichnet sie aus? Diese Frage lässt sich nur beantworten, wenn Sie Ihre eigenen Fähigkeiten kennen und, zumindest sich selbst gegenüber, auch Schwächen des Alters eingestehen. Machen Sie sich dabei bitte nichts vor: Jenseits der 60 ist nichts mehr so, wie es früher mal war. Die Kräfte kommen nicht wieder, die Augen werden nicht besser, Empfindlichkeiten und nervende Zipperleins werden von Jahr zu Jahr mehr. Doch deswegen auf den Garten oder Pflanzen zu verzichten? Niemals!

Passen Sie den Garten Ihren Kräften und Möglichkeiten an.

Spätestens ab 50 trifft es jeden: Die Kräfte lassen nach. Wenn Sie mit 30 alle Beete des Gartens noch mit links und an einem einzigen Tag bearbeiten konnten, brauchen Sie mit 50 oder 60 gleich mehrere Tage für die gleiche Arbeit. Und so manches klappt irgendwann überhaupt nicht mehr ohne fremde Hilfe. Zum Beispiel Dahlienknollen oder Schwarzwurzeln im Spätherbst ausgraben, hohe Bäume schneiden, Stangen für Stangenbohnen setzen, Kübelpflanzen ins Winterquartier wuchten und im Frühling wieder raus. Selbst die Aussaat von Sommerblumen oder Gemüse wird mit zunehmendem Alter mühsam, wenn dazu ein Sack Blumenerde geschleppt werden muss. Wer alleinsteht und für schwere Arbeiten keine Hilfe hat, bekommt schon mit diesen, eigentlich sehr geliebten, einfachen Tätigkeiten im Frühling ein Problem. Deshalb ist besser, wenn Senioren den Garten möglichst pflegeleicht gestalten.

Leinwandbild Rote Sonnenbraut

Helenium, die Sonnenbraut.

Gestalten Sie Ihren Garten rechtzeitig bequem, sicher und seniorengerecht.

Wer seinen Garten liebt, will auch nicht im Alter auf ihn verzichten. Allerdings sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Sie sich in Ihrem Garten auch möglichst sicher bewegen können. Stolperfallen und Gefahrenquellen lauern schließlich überall! Dunkle Ecken, schlecht ausgeleuchtete Wege müssen nicht sein. Installieren Sie beizeiten Gartenstrahler, die auch in Herbst und Winter für ausreichend Licht sorgen.
Überprüfen Sie Ihre Gartenwege. Sind sie breit genug, um sie später mal auch mit einem Rollator oder Rollstuhl sicher zu befahren? Wenn nicht, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, breitere Gartenwege mit tritt- und rutschfesten Belag anzulegen.
Ein quer über dem Gartenweg liegender Gartenschlauch hat schon so manchen Gärtner zu Fall gebracht. Gönnen Sie sich statt eines einzigen langen Gartenschlauchs lieber fest installierte Wasseranschlussstellen an verschiedenen Ecken und Enden des Gartens. Ein kurzes Stück Gartenschlauch ist handlich, leicht und schnell gesteckt.

Polsterstauden entlang der Gartentreppe

Polsterstauden halten die Gartentreppe sauber. Ein Handlauf gibt Alt und Jung mehr Sicherheit

Ein stabiler Handlauf entlang einer Gartentreppe ist kein Luxus, sondern bietet Alt und Jung mehr Sicherheit.
Hochbeete erleichtern die Gartenarbeit enorm, da Sie alle Pflanzen sehr bequem und auf angenehmer Höhe erreichen. Ihr Rücken wird sich freuen.
Setzen Sie z. B. Erdbeeren im Kübel auf eine einfache Stellage aus zwei bis drei Pflastersteinen mit quer darüber gelegten Dachlatten. Schon dieser kleine Trick erleichtert die Ernte und Pflege der Pflanzen.
Auch wenn es Ihnen schwer fällt: Verabschieden Sie sich vom eigenen Kompostplatz und nutzen Sie für Gartenabfälle nur noch die Bio-Tonne. Sie ersparen sich dadurch das Kräfte zehrende Umsetzen und Verteilen des Komposts. Was für eine enorme Erleichterung der Gartenarbeit.

Verbannen Sie gefährliche Pflanzen aus dem Senioren-Garten.

Müssen Sie täglich Blutverdünner und/oder Cortison einnehmen? Dann blutet schon der kleinste Kratzer sehr heftig und lang. Je geschwächter der Mensch, je dünner die Haut, desto größer dabei die Gefahr. Alle Pflanzen mit Dornen und Stacheln sollten also besser weichen oder, falls Sie Hilfe für die laufende Rosenpflege haben, zumindest auf die hinteren Plätze verwiesen werden.

Kletterrose Cameltot am Obelisken

Kletterrosen brauchen viel Pflege, müssen gelenkt, gebunden und geschnitten werden. Sie gehören sicher nicht zu den seniorenfreundlichen Pflanzen. Kletterrose Camelot an Obelisk „Herzelind“

Konzentrieren Sie sich auf pflegeleichte Pflanzen für Senioren

Empfehlenswerte, genügsame Stauden für Sonnenplätze

Im Prinzip sind die meisten Stauden von Natur aus pflegeleicht, sofern sie am für sie richtigen Standort stehen. Unterschiede gibt es dennoch und diese machen sich vor allem im Herbst bemerkbar. Es kostet nämlich enorm viel Kraft, mannshohe, schwere Stauden zu schneiden und das Schnittgut anschließend im Kompost oder in der Biotonne zu versorgen. Verzichten Sie daher auf sehr hohe Stauden und bevorzugen Sie solche, die weder stark wuchern, noch zu hoch werden. In trockenen Regionen und in heißen Sommern lohnen sich außerdem pflegeleichte Stauden, die auch ohne zusätzliches Gießen auskommen. Mein Favoriten sind beispielsweise:

  • Taglilien (Hemerocallis) in allen Variationen. Taglilien sehen vom Frühling bis zum Herbst gut aus, blühen, je nach Sorte, von Juni bis zum August und wirken ansonsten wie breitblättriges Gras. Manche Taglilien tragen sogar ein rötliches oder oranges Herbstkleid oder blühen im Herbst ein zweites Mal.

    Blumenbild Taglilie Rotes Rathaus

    Blumenbild `Freudentanz der Tagliien‘, Rotes Rathaus, frühmorgens

  • Polsterstauden. Schleifenblume (Iberis), Polsternelken, kleine und mittelgroße Fetthenne (Sedum), Blaukissen (Aubrieta), Steinbrech, Steinkraut (Alyssum) Zwerg-Glockenblumen & Co brauchen nur einen Schnitt im Jahr nach der Blüte und helfen, Gartenwege sauber zu halten. Solange Ihr Rücken mitmacht, sind Polsterstauden immer eine hübsche Lösung entlang von Beeten und Rabatten.
  • Bergenien bestechen im Frühling durch hübsche, große Doldenblüten und bereichern den Garten das ganze Jahr durch schöne, große Blätter. Sie sind überaus genügsam und überstehen problemlos auch längere Hitzeperioden.
  • Spornblumen (Centranthus) sind wahre Gartenhelden. Wachsen dort, wo sonst gar nichts wächst, im Schotter, auf trockenem Sandboden und in Betonpflanzsteinen. Spornblumen müssen nie gegossen werden, blühen überreich und ziehen Schmetterlinge und Bienen in Scharen an. Sie haben die Wahl zwischen rosa und weißen Spornblumen und beide Sorten erhalten sich mühelos selbst im Garten.

    Wegelagerer Spornblume blockiert den Gartenweg

    Die Spornblume ist ein Magnet für Schmetterlinge

  • Astern, insbesondere Teppich-Aster Snowflurry oder niedrige Kissenastern sind überaus dankbare Stauden, die von alleine wachsen und auch nicht angebunden werden müssen. Teppichastern bedecken unschöne Kanten entlang von Treppen, blühen im Spätherbst und unter den weit ausladenden Zweigen sind Frühblüher (Krokus, Skilla etc.) besonders gut geschützt.
  • Iris / Schwertlilien, insbesondere die zarte Iris Hollandica ist eine echte, pflegeleichte Option für Irisfreunde. Es sind zwar Zwiebelgewächse, sie verhalten sich jedoch wie Stauden und können für Jahre ungestört im Garten wachsen. Kleine bis mittelhohe Bartiris kommen mit trockenen und nährstoffarmen Böden sehr gut zurecht. Außer dem Abschneiden der Blüten und dem obligatorischen Schnitt im Herbst oder Frühling kommen Irisse ohne weitere Pflege aus.

    Sibirische Iris, wächst so einfach wie Gras

    Die Gras-Iris ist äußerst pflegeleicht und blüht im Frühsommer hübsch in Violett, Weiß oder Pflaumenblau.

  • Chrysanthemen und Herbstmargeriten. Sie bleiben kompakt, sofern sie Mitte Mai auf die Hälfte zurück geschnitten werden. Das mühsame Aufbinden der Stauden entfällt durch den so genannten Chelsea-Schnitt komplett.
  • Sonnenbraut (Helenium), die robuste Staude bleibt unter einem Meter, steht stabil, braucht keine Stützen und blüht ab August wochenlang.
  • Storchschnabel (Geranium), zum Beispiel die beliebte Sorte Rozanne. Sie macht sich den ganzen Sommer und Herbst über breit und blüht ohne Pause bis zum Frost. Und im Frühling treibt sie munter wieder aus. Es gibt aber auch noch viele andere lohnenswerte Storchschnäbel. Fragen Sie die Staudengärtnerei nach einer Sorte, die zu Ihrem Standort passt und bevorzugen Sie niedrige bis mittelhohe Sorten. Sie sind besonders pflegeleicht.

    Pflanzen für Senioren wachsen und blühen der Reihe nach entlang der Gartentreppe

    Mixed Border entlang der Gartentreppe mit Lein, Polsterthymian, Storchschnabel und Lavendel

  • Die große Fetthenne (Sedum) ist eine dankbare Staude und Bienenweide, die im Spätsommer und Herbst wochenlang blüht. Auch sie braucht nur einen Schnitt im Frühling und ansonsten keinerlei Pflege.
  • Weiße Prachtkerze, Gaura Lindheimeri, eine meiner Lieblingsstauden. Braucht weder Dünger, noch muss sie gegossen werden. Sie hält Hitze aus und blüht den ganzen Sommer. Bevorzugen Sie die robustere, weiß blühende Sorte. Das Beste an Gaura Lindheimeri ist: Sie erhält sich selbst im Garten und sät sich zuverlässig aus. Sie erkennen die Sämlinge an ihren länglichen, rötlichen, gepunkteten Blättern.
  • Lavendel ist zwar keine Staude, sondern ein Halbstrauch aber auch er gehört zu den pflegeleichten Pflanzen. Er braucht weder Dünger noch zusätzliche Wassergaben – ganz im Gegenteil. Ein radikaler Schnitt nach der Blüte hält ihn kompakt und gesund.
  • Staudenlein (Linum), er wandert durch den Garten und wo er sich von alleine niederlässt, sollten Sie ihn einfach lassen und seine blauen Blüten genießen.

Pflegeleichte Stauden für schattige bis halbschattige Beete:

Pflanzen für Senioren dürfen alles, nur nicht langweilig sein: Große Hosta im Garten

Sattgrüne panachierte Blätter einer Hosta

  • Hostas / Funkien. Achten Sie beim Kauf auf schneckenresistente Sorten, die nicht zu groß werden. Hostas verdecken welkende Narzissen und manche Sorten sind für Pflanzenenthusiaten sogar begehrte Sammelobjekte – auch im Topfgarten.
  • Purpurglöckchen / Heuchera sehen mit ihren Schmuckblättern das ganze Jahr gut aus und ihre Blüten halten sich ewig in der Vase.
  • Farne, urwüchsige Pflanzen mit wunderschönem Austrieb. Sie malen ein zauberhaftes Bild in schattige Beet.
  • Elfenblume (Epimedium), immergrüne, sehr robuste Bodendecker mit hübschen, filigranen Blüten.

Es versteht sich von selbst, dass dies nur eine sehr kleine, persönliche Auswahl von geeigneten Pflanzen für Senioren bzw. für den pflegeleichten Garten sein kann. Sie haben bestimmt eigene Pflanzenlieblinge, auf die Sie auch im Alter nur ungern verzichten möchten. Bitte verraten Sie sie mir und kommentieren Sie.

Fazit: Lassen Sie sich den Spaß am Gärtnern bitte nicht vermiesen, auch nicht durch altersbedingte Schwächen. Im Gegenteil: Je länger Sie gärtnern, desto fitter bleiben Sie, auch geistig. Nichtsdestotrotz sollten Sie sich für schwere Arbeiten Hilfe holen. In den regionalen Kleinanzeigen finden Sie sicher tatkräftige junge Menschen, die Ihnen für kleines Geld sehr gerne zur Seite stehen.

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